Eine Ausfahrt in die Berge. Entspannung pur.

Eine Ausfahrt in die Berge. Entspannung pur.
Eine Ausfahrt in die Berge. Entspannung pur.

Heute wurden wir gegen halb sechs von den Morgentoilettengeräuschen der Inder*innen in den anderen Zimmern geweckt. Diese bewohnten zu mehreren (immer in Kleinfamilien mit drei bis fünf/sechs Personen) das gleich große Zimmer wie wir. Wir versuchten, wieder einzuschlafen. Da uns dies nicht gelang, entschieden wir uns, die Laufsachen anzuziehen und ein wenig per pedes das morgendliche Umland von Puschkar zu entdecken. Da unser Hotel etwas weiter außerhalb lag, dachten wir, vielleicht könnten wir die Berge hinauf laufen. Doch als wir da nicht weiter kamen, suchten wir einen anderen Weg und entdeckten das ausgetrocknete Flussbett, welches zum See führte. Gemächlich liefen wir unsere dreiviertel Stunde und erfrischten uns im Anschluss im Pool. Kann man einen Tag besser starten?!

Danach genehmigten wir uns noch ein kleine Frühstück, bevor es gegen 10:00 Uhr weiter südwestwärts ging.

Albert erzählte uns gestern, dass er uns an einen »quit place in the mountains« bringen wollte. Er behielt recht. Gegen 13:00 Uhr fuhren wir die Einfahrt zum Hill Valley Resort in Todgarh hinauf. Ein wirklich verzauberter Ort mitten in einer sehr ländlichen Berggegend.
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Das Haus sieht aus wie ein kleines Schloss, an vielen Ecken wird noch gebaut und verschönert. So wurden in der Eingangshalle Schmuckbordüren an die Decke gemalt, kleine Spiegel angeklebt und Blüten in Wasserschalen dekoriert. Draußen wurde ein neuer Springbrunnen installiert, der nun mit den anderen um die Wette Wasser speit.
Leider (oder besser für uns) findet man dieses Hotel mit seinen momentan zehn Zimmern in keinem Reiseführer und den Ort nicht auf der Karte. Es ist also ein echter Geheimtipp.

Nachdem wir uns ein wenig ausgeruht hatten, unternahmen wir mit Albert und Bangdat (ich weiß nicht, ob ich es richtig geschrieben hab), einem Hausangestellten und hier aus der Gegend, eine kleine Besichtigungstour durch Todgarh. Der Ort geht zurück auf den britischen Colonel James Tod. Wir besichtigen eine Kirche, ein altes Gefängnis, ein ehemaliges Soldatenkrankenhaus, einen Jain-Tempel (beim Jainismus ist das oberste Gebot die Schonung jedes Lebens), ein weiteres ehemaliges Gefängnis, welches jetzt als Schule genutzt wird und in der Torsten nachsitzen musste (natürlich nur fürs Foto). Es gelangen mir einige entrückte Aufnahmen von den Lost Places.

Le(e)hrraum. Todgarh. Fotocollage, 80x60 C-Print, matt
Le(e)hrraum. Todgarh. Fotocollage, 80×60 C-Print, matt
Nachdem wir uns ein wenig ausgeruht hatten, unternahmen wir mit Albert und Bangdat (ich weiß nicht, ob ich es richtig geschrieben hab), einem Hausangestellten und hier aus der Gegend, eine kleine Besichtigungstour durch Todgarh. Der Ort geht zurück auf den britschen Colonel James Tod. Wir besichtigen eine Kirche, ein altes Gefängnis, ein ehemaliges Soldatenkrankenhaus, einen Jain-Tempel (beim Jainismus ist das oberste Gebot die Schonung jedes Lebens), ein weiteres ehemaliges Gefängnis, welches jetzt als Schule genutzt wird.

Als gerade die Sonne hinter dem Berg verschwand, kam der Hotelmanager herauf und gesellte sich zu uns. Er erzählte uns, dass er einst im Puschkar Heritage gearbeitet hatte, bevor er hier anfing. Er stellte uns das Hotelkonzept vor: neben normaler Beleuchtung sind alle Räume mit kleinen Lampen ausgestattet, die einem das Lichtgefühl von kleinen Dorfhäusern geben. Nach und nach sollen auf dem Gelände noch weitere Bungalows errichtet werden, die einem – zumindest im Ansatz – das (Licht-)Gefühl von dem einfachen Wohnen hier geben sollen. Es gibt einen Holzofen, der im Garten steht, auf dem das Brot nach alter Tradition gebacken wird, genauso, wie es hier die Landbevölkerung schon immer tut. Der Hotelbesitzer stellt auch Frauen ein, um diese ein wenig (auch finanziell) zu unterstützen. Frauen, gerade hier auf dem Land, müssen sehr hart arbeiten: in der Frühe die Kinder und den Mann umsorgen, am Tag das Feld bewirtschaften, schwer tragen und am Abend, nach einem harten Tag, sich um den betrunkenen Mann kümmern, gegen ihn ankämpfen, kochen, die Kinder ins Bett bringen, schlafen. Und am nächsten Tag wiederholt sich das Spiel. Wir sehen Frauen Brennholz, Korn und schwere Wasserkrüge auf dem Kopf heim tragen. Ein Mann treibt das Vieh heim. Sie leben in kleinen Behausungen, die keinen Strom und kein fließend Wasser haben. Auf unsere Frage, wann sich hier etwas ändern und das Verhältnis zwischen Mann und Frau liberaler/gleichberechtigter wird, meint der Hotelmanager Boby, dass dies erst geschieht, wenn die Korruption bekämpft und eine Geburtenkontrolle eingeführt wird. Viele Familien – gerade auf dem Land – bekommen solange Kinder, bis ein Sohn darunter ist.

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Der Hotelmanager erkundigt sich seinerseits, zu unserem Verhältnis zu Hitler. Wir erklären ihm gern, was wir über ihn denken und was wir (in unserer Arbeit) zur Demokratiebildung beitragen. Er selbst, der Kaste der Soldaten zugehörig will nicht wegen einer großen Mitgift (zwar mittlerweile offiziell verboten, aber immer noch üblich) heiraten. Als seine Schwester heirate, brachte diese viel Gold, ein Auto und einiges mehr mit in die Ehe und in die Familie des Mannes). Er denkt lieber an seine Zukunft. Seine Freundin arbeitet als Ingeneurin bei CocaCola und verdient dort ein gutes Geld. Bald wollen sie heiraten.

Mittlerweile ist es dunkel und wir lassen uns auf an einem Tisch auf dem Hotelrasen ein leckeres Abendessen schmecken. Das Brot vom Holzhofen ist natürlich sehr schmackhaft. Zum ersten Mal bekommen wir nach dem Essen eine Wasserschale und ein Tuch zur Handreinigung. Fein.

Nun noch ein paar Dehnungsübungen und dann ab ins Bett. Morgen steht eine kleine Trainsafari an.

Hier gibt es weitere Fotos:

 

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