9 Tage, 29 Filme, 10 Spielstätten. (M)ein Berlinale-Streifzug.

Februar 2016.
Berlin im Berlinalefieber.
Der Bär und ich mittendrin.
Ein Streifzug durch die Stadt.
Zu Fuß, mit der Bahn.
Rolltreppe hinab und wieder hinauf.
Schnelle Schritte.
Zwischen den Spielstätten.
Hin und her.

Glitzer, Glamour, roter Teppich.
Dicke Mäntel.
Schöne Kleider.
Schwarze Anzüge.
Karten vorzeigen.
Ein letztes Räuspern, der Vorhang öffnet sich.
Die Bilder flimmern über die Leinwand.

Aus.
Der Abspann läuft über Schwarz.
Applaus.
Gedanken kreisen.
Hängen noch dem letzten Film hinterher.
Kurzes Inne halten.
Ein Blick auf die Uhr und auf zum nächsten
Kino.
Momente dazwischen.
Eingefangen mit der Kamera.

9 Tage, 29 Filme, 10 Spielstätten.
(M)ein Berlinale-Streifzug.

Manche Dinge müssen erst einmal nachhallen, nachwirken und verdaut werden. So erging es nach meinem Besuch der 66. Berlinale – den Internationalen Filmfestspielen in winterlichen Berlin. Obwohl, so kalt war es gar nicht, außerdem hatte ich vorgesorgt und war präpariert.
Es dauerte eine Weile, bis ich die Gedanken sortiert, mein Film- und Fotomaterial gesichtet,  geschnitten und bearbeitetet hatte.
Daher freue ich mich ganz besonders, wenn du mir ein kurzes Feedback zu meinem Video-Clip und/oder den Fotos hinterlässt.

Ja und es dauerte eine Weile, bis ich die Zeit fand, die von mir gesehenen Filme noch einmal vor meinem inneren Auge Revue passieren zu lassen und gebündelt in einem Artikel zusammen zuführen. Hier ist er nun.

Die Vorbereitung.

Zunächst holte ich mir am ersten Tag meinen Festival-Badges für Akkreditierte ab und kaufte mir eine Wochenkarte für das Berliner U- und S-Bahn-Netz. Im Anschluss ging es nach Neu Köln und dort machte ich es mir auf dem Bett eines lieben Freundes, bei dem ich während meines Berlinaufenthaltes wohnte, gemütlich und studierte eingehend das Festivalprogramm und machte mir erst einmal einen Plan. Dafür nutze ich die Berlinale-Programm-Hefte und speicherte mir die Filme mithilfe der Berlinale-App in mein iPhone ein.

An diesem Abend ging ich früh schlafen, da die nächsten Tage lang und anstrengend werden würden.

 

An den darauf folgenden Tagen hieß es für mich meist früh aufstehen und erst einmal zum Ticket-Counter für Akkreditierte. Dort erhielten die Leute, die eine Festival-Akkredierung haben, Tickets zu bestimmten Filmen für den gleichen und den darauf folgenden Tag. Und es gilt – wie so meist – »first come, first serve«. Für andere hatten Akkreditierte einfach so Zugang oder mussten sich in einer extra Schlage für Restplätze anstellen. An den ersten Tagen war der Andrang noch sehr groß, ließ aber ab Montag deutlich nach. Ich war meist gegen 8:15 Uhr vor Ort und erhielt nach einer kurzen Wartezeit in einer langen Schlage meine gewünschten Karten. Und wenn ich das Ticket für den gewünschten Film nicht bekam, dann switchte ich einfach auf einen anderen Film um, der auf meiner Liste stand und probierte es am nächsten Tag noch einmal – zum Glück werden die Filme ja an mehreren Tagen gezeigt und alle Filme kann mensch sich eh nicht anschauen.
Die Warteschlage schreckte mich übrigens nur beim ersten Mal kurz ab, bis ich merkte, wie schnell man in dieser voran kommt.
Dann ging es auch schon weiter, denn der erste Film lief dann bereits 9:00 oder 9:30 Uhr und ich musste ja noch in die jeweilige Festival-Spielstätte.

 

Die Spielstätten.

Apropos Spielstätten – es gibt viele davon. Ich bewegte mich meist in dem Radius zwischen CinemaxX am Potsdamer Platz, CineStar, International, Friedrichstadt-Palast, Delphi-Filmpalast, Haus der Berliner Festspiele, Zoo-Palast, Cubix, Akademie der Künste und dem Berlinale-Palast hin und her. Alle Spielstätten waren mehr oder weniger in der Innenstadt und mit U- und S-Bahn und einigen Geh-Minuten gut zu erreichen. Das war mir wichtig, da ich oft nur eine halbe Stunde, manchmal auch gar keine Zeit zwischen den Filmen hatte.

 

Filme, Filme Filme gesehen. 

Und, was hab ich denn nun gesehen und welche Filme kann dir nun empfehlen? Jaja, ich leg ja schon los.
Hier findest du alle Filme aufgelistet, die ich gesehen habe. Hinter den Filmtitel siehst du meine ganz persönliche Wertung.
Klickst du auf das + vor dem Film erfährst du noch etwas mehr.
Meist habe ich hier auch einen Filmtrailer mit eingebunden und einen Link für weitere Filminfos.

24 Wochen | 24 Weeks (Wettbewerb) ★★★★★

Deutschland 2016, 102 Min // Deutsch // von Anne Zohra Berrached // mit Julia Jentsch, Bjarne Mädel, Johanna Gastdorf, Emilia Pieske, Maria Dragus

Astrid ist Kabarettistin und bringt die Menschen zum Lachen. Gemeinsam mit ihrem Mann und Manager Markus erwartet sie ihr zweites Kind. Es könnte nicht besser laufen: sie beiden harmonieren perfekt, als sie plötzlich erfahren, dass das Ungeborene nicht gesund zur Welt kommen wird. Zunächst stellen sie sich dieser Herausforderung mit viel Optimismus, doch je näher der Geburtstermin rückt, desto größer werden Astrids Sorgen – die um die Zukunft des Neugeborenen ebenso wie die um Familie und Beruf. Nach vielen inneren und in Auseinandersetzungen mit anderen erkennt Astrid schließlich, dass die Entscheidung treffen muss, die ihr aller Leben betrifft und nur von ihr allein getroffen werden kann.

4 Könige (LOLA at Berlinale) ★★★★★

Deutschland 2015, 99 Min // Deutsch // von Theresa von Eltz // mit Moritz Leu, Jannis Niewöhner, Jella Haase, Paula Beer

Vier Jugendliche treffen in einer Jugendpsychatrie aufeinander und müssen dort die Weihnachtsfeiertage gemeinsam verbringen. Miteinander, mit sich selbst und mit dem unkonventionellen Psychiater konfrontiert, öffnen sich die Teenager langsam und erleben ein Fest, dass nicht vergessen werden.

Alone in Berlin | Jeder stirbt für sich allein (Wettbewerb) ★★★☆☆

Deutschland / Frankreich / Großbritannien 2016, 103 Min // Englisch // von Vincent Perez // mit Emma Thompson, Brendan Gleeson, Daniel Brühl, Mikael Persbrandt, Monique Chaumette

»Alone in Berlin | Jeder stirbt für sich allein« ist eine erneute Verfilmung des letzten Romans (Herbst 1946) von Hans Fallada (1893–1947), in welchem der Schriftsteller dem Ehepaar Otto und Elise Hampel ein Denkmal setzt. Das Arbeiter-Paar – im Roman und in der Verfilmung Anna und Otto Quangel genannt – leistete in den Jahren 1940 bis ’43 Widerstand gegen die Nazis und wurden dafür durch das Fallbeil hingerichtet. Auslöser für ihren Widerstand war ein Brief, der die beiden über den Tod ihres Sohnes an der Front informiert. Ihr Glaube an den »Führer« war gebrochen und sie sehen in seinen Versprechungen die Lügen und den Betrug. Fortan schreiben die beiden Postkarten als Zeichen des Widerstands, mit denen sie aufrütteln wollen: »Stoppt die Kriegsmaschine! Tötet Hitler!« Unter Lebensgefahr verteilen sie die Karten in Hauseingängen und Treppenhäusern und schon bald sind ihnen SS und Gestapo auf der Spur. Auch die eigenen Nachbarn könnten gefährlich werden.

Antes o tempo não acabava | Time Was Endless (Panorama Special) ★★★★☆

Brasilien / Deutschland 2016, 85 Min // Portugiesisch, Tikuna // von Fábio Baldo, Sérgio Andrade // mit Anderson Tikuna, Rita Carelli, Begê Muniz, Emanuel Aragão, Severiano Kedassere

Anderson wurde in einen indigenen Stamm im Amazonasgebiet hinein geboren und lernte dort schmerzhafte Initiationsriten kennen. Mittlerweile lebt er mit seiner Schwester und ihrer kranken Tochter in der Großstadt Manaus. Während er versucht, mit den täglichen Herausforderungen, seinen Gelegenheitsjobs, dem modernen Leben klarzukommen und sich selbst zu verorten, plant der Schamane ein weiteres, altes Ritual. Er entflieht, tanzt wild zu Metal, elektronischer Musik und gibt sich einen One-Night-Stand hin.
Ohne didaktisch zu wirken, wird das Publikum mitgenommen und wird eingeladen, Anderson zu begleiten, während er zwischen den Welten hin und her wandelt. Die eine Welt ist mystisch und bedroht, die andere ist laut, bunt und manchmal sehr anstrengend.
Weitere Infos.

Auf Einmal (Panorama Special) ★★★☆☆

Deutschland / Niederlande / Frankreich 2016, 112 Min // Deutsch // von Aslı Özge // mit Sebastian Hülk, Julia Jentsch, Hanns Zischler, Sascha Alexander Gerşak, Luise Heyer

Auf einmal ist alles anders. Karsten hat eigentlich alles: er ist gesund, im besten Alter, eine hübsche und intelligente Frau, einen gut bezahlten Job,  Freunde und ein intaktes Elternhaus. Doch da ist diese Party bei ihm in der Wohnung und diese mysteriöse Frau, die niemand kennt und niemand eingeladen hat. Er fühlt sich zu ihr hingezogen. Alle gehen, sie bleibt noch. Kurz darauf stirbt sie und sein wohlgeordnetes Leben in der Kleinstadt kommt ins Wanken. Der Versuch, einfach weiter zu machen, scheitert, seine Freunde und seine Frau wenden sich von ihm ab. Auf einmal steht er ganz allein da. Nur sein Vater hält noch zu ihm oder will er vielleicht vielmehr sein eigenes Ansehen wieder rein waschen? Karsten ist enttäuscht, wütend und fühlt sich zu Unrecht in dieser Lage und als er meint, sein Leben verläuft nun wieder in geordneten Bahnen, ist er ein anderer geworden.
Die Themen Schuld, Moral, Scheinheiligkeit, Gerechtigkeit werden in sehr klaren Bildern und so auf sehr eindringliche Weise verhandelt.
Weitere Infos.

Chi-Raq (Wettbewerb, außer Konkurrenz)★★★★★

USA 2016, 127 Min // Englisch // von Spike Lee // mit Nick Cannon, Teyonah Parris, Wesley Snipes, Angela Bassett, John Cusack

Chicago, in der US-amerikanischen Hip-Hop-Szene schon lange unter dem Namen »Chi-Raq« bekannt, und die berüchtigte South Side gilt als Mord-Hauptstadt der USA. Zwischen 2001 und 2015 starben hier 7356 Menschen durch Waffengewalt. Regisseur Spike Lee betitelt sie als »nationale Notlage« in fetten roten Lettern. In Anlehnung an die der klassischen Komödie des griechischen Dichters Aristophanes »Lysistrata« erzählt Chi-Raq mit viel Witz, Satire und guter Musik wie die Frauen ihren Männern den Sex verweigern, nachdem durch die rivalisierenden Gangs der Trojaner und Spartaner erneut ein Kind zu den Todesopfern zählt. Bald geht dieser Sex-Streik und der damit verbundene Aufruf, den Kreislauf der Rache endlich zu durchbrechen, weit über die Grenzen Chicagos hinaus.

Colonia (LOLA at Berlinale) ★★★★☆

Deutschland / Luxemburg / Frankreich 2015, 110 Min // Englisch // von Florian Gallenberger // mit Emma Watson, Daniel Brühl, Michael Nyqvist, Richenda Carey

Chile 1973. Hunderttausende protestieren gegen General Pinochet. Dieser hat sich an die Macht geputscht. Unter den Demonstranten sind der Fotograf Daniel und Lena, die erst am Vortag als Stewardess in Santiago gelandet ist. Beide werden, wie unzählige andere vom Geheimdienst verhaftet. Während Lena kurz darauf frei gelassen wird, verschleppen sie Daniel an einen geheimen Ort. Lena begibt sich auf die Suche nach ihrem Freund. Über Amnesty International erfährt sie von Colonia Dignidad, eine sehr abgeschottete Sekte im Süden Chiles mit Verbindungen zum Geheimdienst. Es gibt Gerüchte, dass auf dem Gelände Gefangene gefoltert werden –vermutlich auch Daniel. Lena beschließt, dieser Sekte beizutreten und so ihren Geliebten wiederzufinden. Doch schon bald erkennt sie, wie ausweglos die Situation ist, denn aus Colonia ist noch niemanden die Flucht gelungen.

Die Geträumten | The Dreamed Ones (Forum) ★★★★★

Österreich 2016, 89 Min // Deutsch // von Ruth Beckermann // mit Anja Plaschg, Laurence Rupp

Eine ganz besondere Liebesziehung steht im Zentrum dieses Kammerspiels. Die Liebenden sind Ingeborg Bachmann und Paul Celan, beide bedeutende Vertreter der deutschsprachigen Lyrik nach 1945. Anhand des vorgelesenen 20 Briefwechsels (1948–1967) zwischen der Österreicherin und des Juden aus Czernowitz entspinnt sich das komplizierte Geflecht der beiden Dichter*innen. Die Texte werden von zwei jungen Menschen im Studio des Wiener Funkhauses eingesprochen. Das Spannungsfeld aus Sehnsucht, Liebe, Nähe und Fremdheit, Zweifel, Schmerz, Trennungen und lange Perioden des Schweigens innerhalb des Briefwechsels spiegelt sich in den Gesichtern der Vortragenden wider.
Die Intensität des Beziehungsdramas, die Präsenz der Akteur*innen vor der Kamera und der anschließenden Montage, die Gespräche in den Raucherpausen sind ein Brückenschlag, ein Spiegel in die Gegenwart. Die Geschichte, um den Briefwechsel gerät dabei nicht aus dem Blick.

Die Prüfung | The Audition (Perspektive Deutsches Kino) ★★★★★

Zehn Plätze, neun Prüfer, 687 Bewerber, zehn Tage Zeit. Die jährliche Aufnahmeprüfung an der Staatlichen Schauspielschule Hannover ist nicht nur eine besondere Herausforderung für die Bewerbenden, sondern auch eine außerordentliche Belastungsprobe für das Kollegium. Während man die Kommissionsmitglieder als Menschen kennenlernt, die sich und ihre Maßstäbe ständig hinterfragen, bekommt man einen seltenen Einblick hinter die Kulissen einer Prüfungskommission. Mit Leidenschaft kämpfen die Prüfer*innen für ihr persönlichen Favoriten und als zuschauende Person kann man sich schließlich in beide Seiten hineinversetzen und sich ein eigenes Urteil über die Auswahl- und Bewertungskriterien zu bilden.

Don't Blink – Robert Frank (Panorama Dokumente) ★★★★☆

USA / Frankreich 2015, 82 Min // Englisch // von Laura Israel

Eigentlich steht er hinter und nicht vor der Kamera. Doch Laura Israel und ihrem Team gelang ein sehr einfühlsames Porträt von einem der wichtigsten und einflussreichsten Fotografen und Filmemachers des 21. Jahrhunderts. Die Rede ist von Robert Frank. Seine Porträts sind Momentaufnahmen. Eine Szene, die aus einem frühen Interview mit ihm stammt, sagt bereits viel über seine Persönlichkeit – und über sein Kunstverständnis aus: Er ist über seine frühen Fotografien gebeugt, die den amerikanischen Alltag am Rand der Gesellschaft festhalten und erklärt seine Vorgehensweise: »Am besten bekommen die Menschen gar nicht mit, dass man sie im Visier hat.« Robert Frank – ein Querdenker und Anarchist in allen Lebenslagen, was sich sowohl in seinen Dokumentar- und in seinen künstlerischen Fotografien und Arbeiten widerspiegelt.

Elixir (Forum) ★☆☆☆☆

Russische Föderation 2015, 80 Min // Russisch // von Daniil Zinchenko // mit Aleksandr Gorelov, Nikolay Kopeikin, Grigoriy Selskiy, Dmitriy Juravlev, Victoria Maksimova

Ein Pool. Ein Mann im weißen Gewand steht darin. Am Poolrand Männer in schwarzen Anzügen und dunklen Sonnenbrillen. Zu dem Mann im Pool steigt ein Mann im Anzug ins Wasser und taucht ihn immer und immer wieder unter. Das Wasser wird schwarz. Kurz darauf wird der Mann, gestützt von zwei Soldaten zwischen den Bäumen im Wand verschwinden. Weitere Handlungsräume werden eröffnent, die der die Partisanen, des Kosmonauten und des Wissenschaftler, der das Elixier der Unsterblichkeit brauen will. werden eröffnet. Zeitlich kann die Geschichte nicht verortet werden. Spielt sie gestern, heute oder in der Zukunft. Im Verlauf der Handlung gibt es immer wieder Anspielungen an russische Mythologien und Urbilder. Ein Postbote verbindet die einzelnen Orte über verschlungene Pfade und eine Kommunikation kann stattfinden. Ist der Mann im weißen Gewand am Ende doch Jesus und die Flüssigkeit Öl? Ist die Geschichte am Ende doch mehr als ein Märchen und vielmehr eine Parabel auf das gegenwärtige Russland?

Fuocoammare | Fire at Sea (Wettbewerb) ★★★★★

Italien / Frankreich 2015, 108 Min // Italienisch, Englisch // von Gianfranco Rosi // mit Samuele Pucillo, Mattias Cucina, Samuele Caruana, Pietro Bartolo, Giuseppe Fragapane

Samuele ist zwölf, lebt auf einer Insel im Mittelmeer, weit entfernt vom Festland. Schule mag er nicht so gern. Viel lieber spielt er mit seiner Schleuder, klettert auf den Uferfelsen oder streift am Hafen umher.

Doch die Insel auf der er und die anderen Inselbewohner*innen leben, ist keine Insel, wie alle anderen. Seit Jahren ist sie das Ziel von vielen Menschen – Frauen, Männer, Kinder –, die in altersschwachen Booten von Afrika über das Mittelmeer nach Europa übersetzen. Die Rede ist von Lampedusa und gilt als Sinnbild für die Fluchtbewegung auf den Europäischen Kontinent. Die Menschen auf den Booten sehnen sich nach Frieden, Freiheit und Glück. Oftmals endet dies mit dem Tod auf See. Und so wird Lampedusa täglich Zeugin der größten humanitären Tragödie unserer Zeit.

Gianfranco Rosi nähert sich in seinen Alltagsbeobachtungen diesem symbolträchtigen Ort und den Bewohner*innen die hier leben. Auf der einen Seite eine Insel, die permanent dem Ausnahmeszustand ausgesetzt ist und auf der anderen Seite berühren sich die zwei Welten auf dieser Insel kaum.

Nicht ohne Grund wurde dieser Film zum besten der diesjährigen Berlinale gekürt. Ich saß in meinem Kinosessel – und auch noch danach – lange tief bewegt.

Goat (Panorama Special) ★★★★☆

USA 2016, 102 Min // Englisch // von Andrew Neel // mit Ben Schnetzer, Nick Jonas, James Franco, Gus Halper, Danny Flaherty

Der 19-jährige Brad wird nach einer Party Opfer eines brutalen Überfalls. Die Täter flüchten. Brads Wunden heilen langsam. Einige Monate schreibt er sich an der Uni ein. Auf Empfehlung seines älteren Bruders bewirbt er sich um die Mitgliedschaft der Elite-Studentenverbindung Phi Sigma Mu. Erneut trifft er auf Formen schwerer körperlicher und psychischer Gewalt. Die »week of hell« – das Aufnahmeritual – besteht aus endlosen Demütigungen, Entwürdigungen, Beleidigungen und Schlägen durch die älteren Semester. Brad und seiner Zimmergenosse halten still und geben sich den folterähnlichen Situationen hin – ohne ein Aufbegehren – schließlich wollen sie richtige Männer werden.
Andrew Neels erforscht in seinem erschütterndes Spielfilmdebüt die Wurzeln der Gewalttätigkeit weißer, US-amerikanischer Männer. Aus diesen Halbwüchsigen werden werden später Männer, die später Politiker werden, Häftlinge misshandeln oder Familien gründen. Der Film wirft Fragen zu Loyalität und zum männlichen Selbstbild auf und stellt eine beängstigende Campus-Realität an den Pranger. Eine Tradition, die systematisch junge Männer zerstört und zu Monstern macht.

Grüße aus Fukushima | Fukushima, mon Amour (Panorama Special) ★★★★☆

Deutschland 2016, 104 Min // Deutsch, Englisch, Japanisch // von Doris Dörrie // mit Rosalie Thomass, Kaori Momoi, Moshe Cohen, Nami Kamata, Aya Irizuki

Wie will man anderen helfen, wenn man mit sich selbst nicht im Reinen ist? Loslassen und Weiterleben ist eine Lösung.
Die junge Deutsche, Marie, ist auf der Flucht vor ihren zerplatzten Lebensträumen und reist nach Japan. Gemeinsam mit der Organisation Clowns4Help an, reist sie ins Katastrophengebiet von Fukushima, um den Opfern der Dreifachkatastrophe von 2011 ein wenig Freude in die Notunterkünfte bringen will, in denen überwiegend ältere Menschen noch immer leben, weil sie nicht wegziehen wollten oder konnten. Schon nach kurzer Zeit muss sich Marie eingestehen, dass sie diese Aufgabe überhaupt nicht bewältigen kann. Doch dann begegnet Satomi, eigenwillig und die letzten Geisha Fukushimas. Diese hat sich in den Kopf gesetzt, ihr zerstörtes Haus in der Sperrzone wieder aufzubauen. Maria entschließt sich mit ihr zu gehen und sie bei den Aufräumarbeiten zu unterstützen. Sie beiden – die ungleicher nicht sein können – kommen sich näher und sehen sich plötzlich wieder mit den Geistern ihrer Vergangenheit konfrontiert.

Inhebbek Hedi | Hedi (Wettbewerb) ★★★★★

Tunesien / Belgien / Frankreich 2016, 88 Min // Arabisch // von Mohamed Ben Attia // mit Majd Mastoura, Rym Ben Messaoud, Sabah Bouzouita, Hakim Boumessoudi, Omnia Ben Ghali

Hedi, ein junger Tunesier führt ein geregeltes Leben. Er macht seinen Job als Autoverkäufer, seine dominante, ihn beschützende Mutter arrangiert derweil seine Ehe. Welche Überraschungen soll es noch geben? Doch dann wird Hedi, ausgerechnet eine Woche vor seiner Hochzeit, von seinem Chef auf eine Dienstreise nach Mahdia geschickt. Während sich sich seine Mutter, die bereits die Braut auswählte, gemeinsam mit seinem Bruder die Hochzeit vorbereitet, lernt er im Hotel Rim, eine Tourist*innenbetreuerin kennen und verliebt sich in sie. Rim steht mit beiden Beinen im Leben und weiß, was sie will. Demnächst will sie im Ausland einen Neuanfang wagen. Wird auch Hedi die Kraft und Mut besitzen und mit ihr gehen? In dem scheinbar privaten Einblick und doch weitet dieser Film den Blick auf eine Gesellschaft im Umbruch zwischen Tradition und Emanzipation – in alle Richtungen.

Já, Olga Hepnarová | I, Olga Hepnarova (Panorama) ★★★☆☆

Tschechische Republik / Polen / Slowakische Republik / Frankreich 2016, 106 Min // Tschechisch // von Petr Kazda, Tomas Weinreb // mit Michalina Olszanska, Martin Pechlat, Klara Meliskova, Marika Soposka, Juraj Nvota

Olga ist die letzte Frau, die in der Tschechoslowakei öffentlich hingerichtet wurde – trotz ihrer offensichtlich psychischen Krankheit. Der Film zeichnet in Schwarz-Weiß-Bildern den Lebensweg der jungen, komplizierten Frau nach, die sich von ihrer gefühlskalten Familie und gesellschaftlichen Konventionen emanzipieren versucht. Schlaksig, kettenrauchend bewegt sich sich von einem Arbeitsplatz zum nächsten bis sie als LKW-Fahrerin ihre Bestimmung gefunden zu haben scheint. Sie wohnt in einer schlecht geheizten Behausung, hat gelegentlich Liebhaberinnen, aber zu einer  Beziehung kommt es nie. Es kommt es zu Konfrontationen, sprachlosen Gefühlsausbrüchen und Ausnahmezuständen. Am 10. Juli 1973 fährt die 22-Jährige mit einem LKW in eine Menschengruppe. Acht Personen sterben. In ihrem Bekennerschreiben notiert sie, dass sie sich damit an der Gesellschaft und den Menschen rächt, von denen sie sich gehasst fühlt.

Junction 48 (Panorama Special) ★★★★★

Israel / Deutschland / USA 2016, 97 Min // Arabisch, Hebräisch // von Udi Aloni // mit Tamer Nafar, Samar Qupty, Salwa Nakkara, Ayed Fadel, Sameh »SAZ« Zakout

Lod ist eine verarmte Stadt, nur wenige Kilometer östlich von Tel Aviv. Hier leben Araber und Juden Seite an Seite. Kareem, ein junger palästinensischer Musiker, der von gelegentlichen Bürojobs lebt und seine  Freizeit mit seinen Drogen handelnden Freunden verbringt. Schließlich findet er, nachdem sein Vater bei einem Autounfall tötet verunglückt und seine Mutter fortan an den Rollstuhl gefesselt ist, in der Welt des Hip-Hop sein Zuhause. Bei einem Konzert kommt es durch den Gesang seiner Freundin Manar zu einem Angriff rassistischer jüdischer Rapper. Die Regierung droht in der Nachbarschaft dem Haus eines Freundes der Abriss. Doch die Freund*innen lassen sich nicht länger unterdrücken. Gemeinsam nehmen Kareem, Manar und die anderen musikalisch den Kampf gegen die Unterdrückung durch die israelische Gesellschaft auf – aber auch den Kampf gegen die Gewalt in ihrer eigenen, konservativen Community. Denn auch diese ist geprägt von patriarchalischen Ehrgefühlen.
Tamer Nafar, Hauptdarsteller und charismatischer Frontmann von DAM, der ersten palästinensischen Rap-Gruppe schafft gemeinsam mit dem israelischen Regisseur Udi Aloni eine neue Stimme der jungen arabischen Generation: erfüllt von energetischer Hoffnung auf ein gleichberechtigtes Zusammenleben.

Kollektivet | The Commune (Wettbewerb) ★★★★★

Dänemark / Schweden / Niederlande 2015, 111 Min // Dänisch // von Thomas Vinterberg // mit Trine Dyrholm, Ulrich Thomsen, Helene Reingaard Neumann, Martha Sofie Wallstrøm Hansen, Lars Ranthe

Architekturdozent Erik erbt das alte, große Haus seines Vaters in Hellerup, nördlich von Kopenhagen. Seine Frau Anna, eine bekannte TV-Nachrichtensprecherin, schlägt aus Angst der anbahnenden Langeweile in ihrer Ehe vor Freunde einzuladen, hier mit ihnen zu wohnen. Bald darauf wohnen sie als Kommune aus ein Dutzend Frauen, Männer und Kinder in der Villa, treffen gemeinsame Entscheidungen, diskutiert, baden zusammen im nahe gelegenen Öresund. Natürlich liegt es Nahe, dass es zu den ein oder anderen Reibereien an den Eigenheiten der jeweils anderen kommt. Als Erik sich in seine Studentin Emma verliebt und die junge Frau ins Haus einzieht lässt, gerät das fragile Gleichgewicht der Wohngemeinschaft in Gefahr. Mit einer gewissen Distanz beobachtet die 14-jährige Freja, die Tochter von Erik und Anna, das Geschehen und findetihren eigenen Weg.
Thomas Vinterberg lässt in seinem Film seine Kindheitserinnerungen einfließen und beschreibt das damals nicht übliche, private Experiment in den Siebzigerjahren. Gemeinschaft und Individualität, Freiheit und Tradition treffen aufeinander, kollidieren. Glück und Gefahr liegen da nah beieinander.

La Route d'Istanbul | Road to Istanbul (Panorama Special) ★★★★☆

Algerien / Frankreich / Belgien 2016, 97 Min // Französisch, Englisch, Türkisch // von Rachid Bouchareb // mit Astrid Whettnall, Pauline Burlet, Patricia Ide, Abel Jafri

In der belgischen Provinz lebt Elisabeth mit ihrer 18-jährigen Tochter Elodie gemeinsam in einem idyllischen Haus. Als ihre Tochter eines Tages nicht nach Hause kommt, macht sie sich zunächst keine Sorgen, da sie vermutet sie sei bei einer Freundin. Als die Polizei bei ihr auftaucht und ihr mitteilt, dass Elodie das Land verlassen hat, um sich in Syrien dem Islamischen Staat anzuschließen, kann sie es zunächst nicht glauben. Sie beginnt nachzuforschen und fällt schließlich aus allen Wolken, als sie ein Abschiedsvideo ihrer Tochter findet. Sie kann die Gründe nicht nachvollziehen, warum Elodie in einem fernen Land in den Krieg ziehen will und begibt sich auf eigene Faust in die Türkei an die syrische Grenze, auf die Suche nach ihrem Kind.  Aktueller kann das Thema kaum sein: die verzweifelte Suche einer Mutter aus einem westlichen System hin zu Chaos und Gewalt in den Krisengebieten ist nicht zuletzt ein Spiegelbild ihrer inneren Verzweiflung.

Maggie's Plan (Panorama Special)★★★☆☆

USA 2015, 99 Min // Englisch // von Rebecca Miller // mit Greta Gerwig, Julianne Moore, Ethan Hawke, Bill Hader, Travis Fimmel

Ein kurzweiliger amerikanischer Samstagabend-Film über Maggie, Mitte 30 und Single, die einen Plan hat. Sie arbeitet als Dozentin in New York, hat einen großen Freundeskreis und gelegentliche Affären. Jetzt will sie ein eigenes Kind und überredet den jungen Pickles-Händler, ihr sein Sperma vorbeizubringen. Kaum ist dieser aus der Tür, trifft sie auf John, der als Anthropologe am selben College unterrichtet wie sie. Die beiden kommen sich näher – sie die mit viel Enthusiasmus ihren Lebensplan verfolgt und er, der mit Leidenschaft an seinem ersten Roman arbeitet. Plötzlich lebt sie mit ihm und der inzwischen geborenen Tochter in einer Beziehung und alle paar Tage auch den Kindern aus Johns gescheiterten Ehe mit  Georgette. Als Maggie schließlich auf Georgette trifft, plant sie, die beiden wieder zusammen zu bringen. Die gut und mit viel Witz und Humor gespielten, schrägen Charaktere winden das das Beziehungsgeflecht so unermütlich neu.

Mahana | The Patriarch (Wettbewerb, außer Konkurrenz) ★★★★★

Neuseeland / Australien 2015, 103 Min // Englisch, Maori // von Lee Tamahori // mit Temuera Morrison, Akuhata Keefe, Nancy Brunning, Jim Moriarty, Regan Taylor

Die Sechzigerjahre in Neuseeland. Die Maori-Familien der Mahanas und Poatas leben an der Ostküste vom Schafescheren. Die verfeindeten Familienverbände treten bei den alljährlichen Schafschur-Wettbewerben als erbitterte Rivalen gegeneinander an. Der 14-jährige Simeon, couragierter Schüler und Sohn des Mahana-Clans lehnt sich gegen seinen herrschsüchtigen und traditionell denkenden Großvater auf. Er und seine Familie werden verband, die Hierarchien geraten ins Wanken und er kommt der Wahrheit der jahrelangen Familienfehde auf die Spur. Lee Tamahori inszenierte nach der Romanvorlage »Whale Rider« (Witi Ihimaera) eine aufwühlende Familiengeschichte – eingebettet in einer von Natur bestimmte, ländliche Gesellschaft. Während die Rituale und Traditionen der Maori-Kultur Rückhalt bietet, bricht die junge Generation langsam überholte Strukturen auf.

Quand on a 17 ans | Being 17 (Wettbewerb) ★★★★★

Frankreich 2016, 116 Min // Französisch // von André Téchiné // mit Sandrine Kiberlain, Kacey Mottet Klein, Corentin Fila, Alexis Loret

Sie gehen in dieselbe Gymnasialklasse und mögen sich überhaupt nicht. Die Rede ist von Damien und Thomas. Wenn Worte nicht mehr ausreichen, verletzen sie sich gegenseitig durch Schläge. Damien Mutter, Marianne, ist Landärztin, sein Vater Militärflieger im Auslandseinsatz. Thomas wächst als Adoptivsohn bei einer Bauernfamilie in einem abgelegenen Berghof auf. Als die Bäuerin nach mehreren Fehlgeburten erneut mit einer komplizierten Schwangerschaft vorsorglich ins Krankenhaus kommt, nimmt Marianne Thomas bei sich auf. Jetzt müssen sich die beiden Jungen unter einem Dach miteinander arrangieren. Die Verwirrungen der Jugend, das Aufwachsen in unterschiedlichen sozialen Milieus wird unterstrichen durch den Wechsel der Jahreszeiten. Die jungen Männer kommen sich näher und bald es mehr als nur Freundschaft.

Soy Nero (Wettbewerb) ★★★☆☆

Deutschland / Frankreich / Mexiko 2016, 120 Min // Englisch, Spanisch // von Rafi Pitts // mit Johnny Ortiz,  Rory Cochrane, Aml Ameen, Darrell Britt-Gibson, Michael Harney

Eine besondere Form des Volleyball-Länderspiels findet zwischen den mexikanischen Jugendlichen und Jungs auf der anderen Seite des Grenzzauns zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten statt. Als Nero nachts das meterhohe Metallgitter überwindet, spürt man, dass er darin bereits eine gewisse Routine hat. Denn er hat einen Traum: er will US-amerikanischer Staatsbürger werden. Als es ihm schließlich geliegt folgt er zunächst den Spuren seines älteren Bruders nach Los Angeles ins Villenviertel der Reichen und Schönen. Doch dieses Leben mit Green Card kann ihm nur gehören, wenn er sich freiwillig zum Militärdienst meldet. Mit dem Maschinengewehr in der Hand kämpft er im Mittleren Osten um seine Staatsbürgerschaft.

The Ones Below (Panorama) ★★★★★

Großbritannien 2015, 86 Min // Englisch // von David Farr // mit David Morrissey, Stephen Campbell Moore, Clémence Poésy, Laura Birn

Kate und Justin sind beruflich erfolgreich, finanziell abgesichert und bewohnen die obere Hälfte eines Londoner Stadthauses. Aktuell erwarten sie ihr erstes Kind. Kate ist unsicher, ob sie der neuen Rolle gewachsen ist. Eines Tages beziehen Jon und Theresa die Wohnung unter ihnen. Sie  stellen ihre akkurat auf die Fußmatte vor der Wohnungstür ab und trimmen den Garten. Auch sie erwarten ihr erstes Baby. Theresa erfüllt die Aussicht auf anstehende Mutterschaft mit Zuversicht, von der sich Kate mitreißen lässt. Ein gemeinsames Abendessen wirkt allerdings verstörend auf die Gastgebenden Kate und Justin. Kurz darauf kommt es aufgrund eines tragischen Zwischenfall zu Misstrauen und Missgunst zwischen den Paaren. Obsessionen bestimmten den zum Albtraum werdenden Alltag.
Eine düstere Geschichte, eingebettet in knalligen Farben, erzählt vom Bedürfnis nach Kontrolle, säet Zweifel an der Fähigkeit zu lieben und von der Angst, den Kontakt zum/zur Partner*in zu verlieren.

The Watermelon Woman (Teddy 30) ★★★★☆

USA 1996, 84 Min // Englisch // von Cheryl Dunye // mit Guinevere Turner, Valarie Walker, Lisa Marie Bronson, Camille Paglia, Brian Freeman

Cheryl begibt sich für ein Filmprojekt auf die Suche nach einer schwarzen lesbischen Filmschauspielerin. Diese wurde in den Dreißigerjahren als »Watermelon Woman« bekannt und hatte eine Affäre mit der weißen Hollywood-Regisseurin Martha Page.

Where To Invade Next (Berlinale Special Gala) ★★★★★

USA 2015, 119 Min // Englisch, Deutsch, Italienisch, Französisch, Norwegisch, Portugiesisch // von Michael Moore

Michael Moore ist mittlerweile eine Größe im Genre des Dokumentarfilms. In »Where To Invade Next« bietet sich dem Pentagon an, als Ein-Mann-Armee in ferne Länder einzumarschieren. Davon überzeugt, dass die Lösungen auf drängenden sozialen Probleme der amerikanischen Bevölkerung bereits andernorts existieren macht er sich auf seinen Feldzug. Dabei folgt er drei Regeln: niemanden erschießen, kein Öl erbeuten und etwas mit heim bringen, das dem Amerikaner*innen nutzt.
Gewohnt subversiv, mal ausgelassen, mal nachdenklich und mal fröhlich sammelt er Beispiele für besser Lebens- Lebens- und Arbeitsbedingungen, wie die Urlaubsregelung in Italien, das Schulessen in Frankreich, das Bildungssystem in Finnland, die Vergangenheitsbewältigung in Deutschland, die Gleichstellung in Island.

While the Women Are Sleeping (Panorama Special) ★★★★☆

Japan 2016, 103 Min // Japanisch // von Wayne Wang // mit Beat Takeshi, Hidetoshi Nishijima, Shioli Kutsuna, Sayuri Oyamada, Lily Franky

Beruhend auf der gleichnamigen Kurzgeschichte des spanischen Schriftstellers Javier Marías entwirft Wayne Wang ein surreale Geschichte über Verführung, Schlaflosigkeit, Erscheinungen, Betrug und Mord und wirft so einen verzaubernden Blick auf die Bedeutung der Liebe. Kenji und Aya verbringen ein paar Sommertage in einem Hotel. Während sie ihrer eigenen Wege geht, sucht er nach Inspiration für seinen neuen Roman. Da weckt ein seltsames Paar unter den Gästen seine Neugier: wer ist der erheblich älterer Mann, Sahara, und die junge Frau – Miki –, wenn nicht Vater und Tochter? Sahara hält die junge Miki tagtäglich in Videoaufnahmen fest – während sie schläft, außerdem verhandelt er in dieser Zeit über ihr Leben und ihren Tod. Während Kenji den beiden folgt – immer zwischen Neugier und Furcht – verschiebt sich für ihn Wirklichkeit und Fantasie.

Zjednoczone stany miłości | United States of Love (Wettbewerb) ★★★★★

Polen / Schweden 2016, 104 Min // Polnisch // von Tomasz Wasilewski // mit Julia Kijowska, Magdalena Cielecka, Dorota Kolak, Marta Nieradkiewicz, Łukasz Simlat

In entsättigten Farben zeichnet Tomasz Wasilewski das Porträt von vier Frauen in einer Kleinstadt in der Provinz Polens nach. Zeitlich bettet er die Geschichte in den Anfang der Neunzigerjahre ein – die Zeit, in der die polnische Gesellschaft nach einer Ära der Stagnation sich langsam neu erfindet. Während man sich nach außen hin neu definieren versucht, bleiben die privaten Gefühle davon kaum berührt. Agata fühlt sich zu einem Priester hingezogen und beobachtet ihn heimlich. Die Schuldirektorin Iza hat seid Jahren ein Verhältnis mit einem verheirateten Arzt, nun zerbricht es. Renata, die Russischlehrerin sucht die Nähe zur jungen Nachbarin, Marzena. Und Marzena, Sport- und Tanzpädagogin, träumt von einer internationalen Karriere als Model. All ihre Gefühle, Sehnsüchte und Hoffnungen bleiben einzwängt zwischen Arbeit, Verlangen und Entsagung, Familie und Kirche.

 

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9 Tage, 29 Filme, 10 Spielstätten. (M)Ein Berlinale-Streifzug. 2016

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