Die meditative Wirkung vom Jaintempel.

Heute war ich vor dem Weckerklingeln wach und fühlte mich schon wieder wesentlich besser. Ich las in meinem indischen Roman »Die Nähe zwischen uns«* und sah wie der Tag graute. Gegen neun ließen wir uns ein leckeres Frühstück schmecken (Torsten pflügte mir ein paar Limetten vom Baum und ich zauberte mir eine leckere heiße Zitrone. Yummi), entspannten noch ein wenig und gegen elf fuhr uns Albert zunähst zu einem Teppichweber, der uns die Webtechnik vorführte, mit Torsten die Kopfbedeckung tauschte (Turban gegen Schieber) und uns schließlich die handgewebten Produkte verkaufen wollte. Wir lehnten dankbar an.
20121106-205528.jpg
Dann ging es zum größten Jaintempel Indiens. Bevor wir den Haupttempel besichtigen durften (dies ist Nicht-Hindus erst ab 12:00 Uhr erlaubt, betraten wir zunächst einen kleinen Tempel und umrundete den Haupttempel. Beide waren aufwändig mit Figuren (manche stellen Kamsudra-Szenen dar, andere Gött_innen oder Tänzerinnen), Tieren und Ornamenten verziert. Beim Umrunden des großen Tempels machten wir noch einen Abstecher zu einem kleinen, auf einem Hügel gelegenen Tempel. Von hieraus hatte wir einen herrlichen Blick auf den Jaintempel: im Vordergrund lilafarbener Bougainvilleas, dahinter die Türme des Tempels. Wir blieben eine Weile sitzen und genossen die Stille. Der kleine Tempel mutete als Vorlage für große Tempelanlagen an. Die Treppen, Türen, Balkone hatten genau die richtige Ferkelgröße. Er lief alles ab.
20121106-210045.jpg
Dann begaben wir uns zum Haupttempel. Torsten zog noch schnell eine lange Hose an und wir die Schuhe aus und dann betraten wir über die böse Geister abwehrenden Dämonenmaskenturschwellen den sakralen Bau. Innen wollten uns Tempelangehörige eine Führung aufschwatzen, wir lehnten ab und wandelten allein zwischen den über und über mit Ornamenten, Tieren, Tänzerinnen und Gottesfiguren verzierten Marmorsäulen. Immer wieder beeindruckende Blicke in hinauf zu den Kuppeldecken. Am Außenrand in kleinen Nischen die Jain-Figuren mit ihren silbrigen, starren Blicken (sie ähneln der Buddhafigur und haben auf der Brustmitte eine Art Lotusblüte). Wir setzen uns zu den Füßen der Säulen und ließen alles auf uns wirken. Immer mal wieder ein Foto. Nach einer Stunde verließen wir das meditative Gebäude (trotz der Touristenschwärme) wieder, vorher noch Foto von einem Tempelmenschen, der uns erst aufforderte, unbedingt ein Foto von ihm zu machen & anschließend natürlich dafür Geld wollte. Als hätten wir es geahnt. Wir kamen zum Parkplatz, Albert wartete bereits und auf unserem Ambassador thronte ein Affe, der sich sein Gebäck schmecken ließ.

20121106-210421.jpg

Wieder zurück in unserem Bungalow entspannten wir eine Weile auf der Terrasse, ich trank Cola für meinen Zuckerhaushalt, Torsten Kaffee für den Geschmack. Unter uns die Limettenbäume, aus denen wir uns einen leckeren Saft zauberten. Wir blieben bis vier hier, dann brannte die Sonne nicht mehr allzu stark und wir unternahmen einen kleinen Ausflug zum See. Torsten zeigte mir den schönen Platz, von dem er gestern die Reiher beobachtete hatte. Ein kleiner indischer Junge kam, setzte sich zu uns und trommelte auf den Steinen herum. Als er nicht aufhören wollte, verzogen wir uns und liefen einen Berg am See hinauf und genossen die andere Sicht auf das Nass. Im diesigen Hintergrund der Jaintempel. An unserer Kleidung kleine, widerspenstige Kletten. Nach einer Weile gingen wir wieder zurück zu unserem ersten Platz direkt am Wasser. Gerade als wir dort ankamen, sahen wir in einiger Entfernung wirklich ein Krokodil zum Ufer schwimmen. Wir blieben, bis die Sonne unterging. Nach einer Weile kamen andere dt. Touris mit Führer um ihrerseits den Untergang der Sonne hinter den Bergen zu betrachten. Der Inder fragte uns, ob wir ein Krokodil gesehen haben. Ja, haben wir. Auch als wir kurz nach sechs zurück bei der Bungalowanlage waren, wurden wir nach dem Krokodil befragt. Wieder konnten wir bejahen. Ausharren am Ufer und die Natur beobachten zahlt sich aus. Wir sahen auch viele Vögel, die im See fischten, pinke und orange Libellen, die über den See schwirrten. Wirklich ein idyllischer Platz.
20121106-211303.jpg

Abends ließen wir uns das indische Essen schmecken und Torsten musste sich die Beine vertreten, da er sich regelrecht überfressen hatte. Langsam geht es ihm wieder besser.

Morgen geht’s gegen neun nach Jodhpur. Fünf Stunden Autofahrt. Wir sind gespannt.

Dir hat der Beitrag gefallen?
Fandest du diesen Artikel hilfreich?
Teile ihn!

MerkenMerken

More from kiraton.

Die Neustadt, Aschenbrödel, Porzellan und die Bastei.

»Die Wangen sind mit Asche beschmutzt, aber der Schornsteinfeger ist es nicht....
Weiterlesen

4 Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich stimme zu