Dubrovnik – Eine Runde schwimmen & dann ab in die Altstadt.

DUBROVNIK – EINE RUNDE SCHWIMMEN & DANN AB IN DIE ALTSTADT.

Ich schwebe dahin. Über mir das Blau des Himmels und ich inmitten von klarem Türkis. Es lässt sich nicht fassen. Es gleitet durch meine Finger hindurch. Aber auch ich gleite dahin. Das Türkis umspült mich, wiegt mich. Ich bewege mich langsam vorwärts. Mit den Armen teile ich das Nass. Es fließt an mir vorbei und ich sehe vor mir die orange Boje näher kommen. Unter mir die Fische. Sie huschen dahin. Manche sind klein und schwarz, andere so durchscheinend wie das Meer selbst, in dem wir – die Fische und ich – uns bewegen. Alles fließt, selbst ich. Ich bin eins mit dem salzigen Wasser um mich herum. Die Stimmen der klebrigen Körper am Strand werden leiser und leiser und verstummen langsam ganz und gar. Ich schwappe weiter mit den seichten Wellen hinaus. Ich drücke mit meinen Armen das Meer auseinander und sogleich fließt es hinter mir wieder zusammen. Ich könnte ewig so weiter machen.

Gedankenbad in Dubrovnik.
Gedankenbad in Dubrovnik.

Mittlerweile sind die nackten Bäuche mit ihren kleinen Köpfen obendrauf am Ufer zu kleinen grau-beigen Knäulen zusammen geschrumpft. Wie sich die kleinen Punkte am Horizont träge hin und her bewegen, tauchen auch langsam Fragmente des letzten Tages vor mir auf.

Dubrovnik. Alle sprachen davon. »Da müsst ihr unbedingt hin.«, »Schaut mal, ob ihr noch etwas von den Kriegsschäden seht!«, »Dubrovnik – vollkommen überbewertet!«, »Wow, Dubrovnik, die Kulisse aus GoT – Games of Thrones!«, »Heiß umkämpft!«, »Einladende Barockstraße. Jede ecke lädt zum Träumen an vergangene Zeiten ein.«
Und dann waren wir wirklich da. Nach einer langen Anreise mit unserem Bus, mehreren Zwischenstopps, Inselüberquerungen, wechselnder Natur, Wanderungen, Fahrradtouren, kleinen Städtchen, gefährlichen Winden, Grenzkontrolle in Bosnien-Herzegovina sind wir auf dem Campingplatz Solitudo im Stadtteil Babin Kuk angekommen.

Am nächsten Tag nahmen wir für 15 Kuna pro Person den Bus Linie 6 ins Zentrum. Endstelle. Wir quollen mit der Busladung in einen Menschenstrom, welcher in die Festung, genauer gesagt in die Altstadt, wollte. Wir fühlten uns erschlagen von den Eindrücken, der imposanten Erscheinung der Altstadt und nicht zuletzt von den Menschenmassen, die sich, angeführt von je einer Reiseleitung aneinander vorbei schoben. Darauf erst einmal ein Eis.

Ferkel am Eis schlecken.

Mit jeweils zwei Eiskugeln in der Waffeln nahmen wir Platz auf der kleinen Treppe vor der Franciscan Monastery und betrachteten das Treiben etwas argwöhnisch. So vielen Menschen auf engstem Raum waren wir in den letzten Wochen nicht begegnet, waren wir doch in der ruhigen Nebensaison unterwegs. Während unsere Zungen die kühle Creme schleckten, gewöhnten sich unsere Augen so langsam an das bunte Treiben auf der Plaza. Und schließlich ließen wir uns auf das Abenteuer Dubrovnik ein.

Zunächst flanierten wir die Barockstraße entlang. Ab und zu genossen wir einen Blick in die schmalen Gassen hinauf, die von der Hauptflaniermeile steil nach oben führen. Von den einstigen Granateinschüssen keine Spur mehr.
Die Turmglocke schlug und wir wagten einen Blick ins Museum, entschieden uns schließlich doch dafür, uns im Gewirr der Gassen zu verlieren. Kurz darauf entdeckte ich in einen kleinen Laden, in welchem allerlei altes Holz und Gerümpel aufgestapelt war. Und überall hingen Boote an den Wänden, die aus diesen Materialien gefertigt waren. Und an jedem Boot eine kleine Briefmarke. Wow, ich war sehr begeistert von dieser Kunstfertigkeit.
Wir gingen weiter. Auf einer Treppe saß eine Frau in traditionellem Gewand und vernähte kleine Deckchen. Neben sich hatte sie kleine Püppchen in der gleicher Kleidung wie die Ihre aufgebaut.

 

In den Straßen der Altstadt Dubrovnik.
In den Straßen der Altstadt Dubrovnik.

Auf dem Marktplatz wurden Schmuck und selbst geklöppelte Spitzendeckchen angeboten. Und die kleinen Lavendelsäckchen, welche wir schon vielerorts hier in Kroatien gesehen haben. Weiterhin gab es auch kleine Püppchen – natürlich im Lavendel-Färbendem Gewand. An anderen Ständen wurde selbst gemachtes Öl oder Likör feilgeboten. Es gab auch gemalte oder fotografierte Bilder – von Dubrovnik natürlich. Hier und da blieb ich stehen und drückte verzückt den Auslöser.
Wir kamen an Läden vorbei, in denen es eine breite Auswahl an Games of Thrones-Fanartikel gab. Wer bisher nicht wusste, dass die Serie hier gedreht wurde, erfuhr es spätestens jetzt.

In einer Gasse entdeckten wir einen alten Babier. Als wir den Laden betraten, saß ein alter Herr gerade auf dem dem Frisierstuhl und ließ sich die Bartstoppeln einschäumen. Ein anderer, noch älterer Mann saß auf der Couch, paffte eine Zigarette und lamentierte über irgendwas in kroatisch. Mit Zeichensprache erkundigte sich Torsten, ob der Babier auch Haare schnitt. Dieser nickte und wir nahmen nun nicht nur auf dem alten Ledersofa Platz, sondern tauchten gleichzeitig in einen Raum ein, in dem die Zeit still stand.
Während draußen die japanischen Tourist*innengruppen vorüber zogen, sangen die kleinen Kanarienvögel in ihren Käfigen im Friseurladen, im Fernseher dudelte irgendein alter amerikanischer Film mit kroatischen Untertiteln und wir ließen unsere Blicke über die unzähligen alten, mittlerweile vergilbten Fotos und gemalten Bildern an den Wänden streifen. Sie zeigten den Babier in jungen Jahren, als Vater und Großvater, während er Menschen die Haare schnitt, Ansichten von Dubrovnik und der Altstadt aber auch 1991 als er in seinem vollkommen zerstörten Laden stand. Neben den Bildern entdeckten wir alte Kämme und Rasierklingen an den Wänden. Dort hing ein Rosenkranz und da im Regal staubten alte Rasierwasserflaschen ein. Dann war Torsten an der Reihe. Er nahm auf dem Friseurstuhl Platz, der Babier legte ihm einen frischen, weiß gestärkten Umhang um, holte seine alten elektrischen Schneidegeräte hervor, zündete sich eine Zigarette an und machte sich an die Arbeit. Mit geübter, aber über die Jahre nicht mehr ganz so ruhiger Hand verrichtete er sein Werk, während die Haarbüschel sanft zu Boden segelten. Zum Schluss gab es noch ein Abschiedsfoto und wir entließen uns wieder in den Altstadttrubel.

Muski Frizerski Salon, Dubrovnik.
Muski Frizerski Salon, Dubrovnik.

Wir nahmen noch einen Espresso und dann ging es rauf auf die Stadtmauer. 100 Kuna pro Person betrug der Preis für den Aufstieg und den Rundgang. Von oben sah die Stadt noch einmal ganz anders aus. Während unserer gemütlichen, einstündigen Umrundung bot sich auch hier an jeder Ecke ein neues Fotomotiv. Und während wir nach außen auf die Steinmauer sahen, erblickten wir eine Gruppe Jugendlicher, die auf den Klippen darunter standen und von hier aus drei ins Meer sprangen. Naja, alle bis auf ein Mädchen im weißen Bikini, die sich nicht so recht traute, obwohl ihre Freundinnen unten im Wasser sie anfeuerten »Come on! It’s amazing!«, »WOW, it’s awsome!« Doch während der 15 Minuten, dem wir diesem bunten Treiben zusahen, schreckte sie im letzten Moment immer wieder zurück. Ob sie wohl noch immer dort auf dem Felsvorsprung steht und auf den richtigen Moment wartet?
Wir sahen von oben den kleinen Hafen. Dort stieg gerade eine Hochzeitsgesellschaft aus einem auf alt gemachten prächtigen  Segelschiff aus. Die Braut überstrahlte bereits aus der Entfernung den ganzen Bootssteg. Vor uns auf der Stadtmauer Damen mit Hüten, die alles fotografieren. Im Schatten lag eine Katze, die davon ungestört vor sich hindöste. Am Hafenrand lagen kleine Boote. Ein paar Schiffer hockten darauf und philosophierten über Gott und die Welt.

Über den Dächern von Dubrovnik.
Über den Dächern von Dubrovnik.

Irgendwann stiegen wir die Treppen wieder hinab. Wir hatten Hunger und fanden im Gassengewirr ein bosnisches Restaurant mit dem klangvollen Namen Taj Mahal. – Wir geben es zu: eigentlich hat uns vor allem der Name angezogen. – Das Ambiente und nicht zuletzt das Essen waren sehr ansprechend und sehr schmackhaft. Zu Minztee und bosnischen Kaffee ließen wir uns Gemüsespieße schmecken.

Besuch beim Taj Mahal, Bosnische Küche in Dubrovnik.
Besuch beim Taj Mahal, Bosnische Küche in Dubrovnik.

Bevor die Sonne unterging, wollten wir noch einmal hoch hinaus. Hierzu bedienten wir uns der Seilbahn. Wir hatten Glück, die Warteschlange war nur wenige Meter lang. Wir kauften für 216 Kuna zwei Tickets. Kurz darauf standen wir in der Gondel. Die blaue Stunde brach bereits an und wir schwebten auf den Berg hinauf. Von dort oben hatten wir einen fantastischen Blick auf die Stadt, wo allmählich die Sonne hinter den Inselbergen verschwand und die Straßenbeleuchtung in den Gassen anging.

Wenn du dein Leben so intensiv und vollständig leben möchtest, wie es geht, dann sei dort, wo es stattfindet: im Hier und Jetzt! [Doris Kirch]

Zurück in der Innenstadt, der Abend war bereits angebrochen. In den engen Gassen waberten leckere Düfte aus den Restaurants. Überall standen Tische dicht an dicht und Menschen ließen sich den frisch servierten Fisch und andere Köstlichkeiten schmecken. Auf Treppenstufen vor den Kneipen saßen laut lachend Menschen und ließen sich wahlweise ihr Bier oder Cocktail schmecken. An einer anderen Ecke probierte ein Pärchen gerade verschiedene Brandy-Sorten.
Schließlich kamen wir an unserem Ausgangspunkt, der Kirche Franciscan Monastery, an. Drei Jungs hatten den Platz davor als ihre Bühne auserkoren. Als schrabbeligen Lautsprechern plärte uns ein 80er-Jahre-Hit entgegen. Nach kurzer Aufwärmphase legten die Jungs schließlich los und präsentierten eine fantastische Breakdance-Show auf dem glänzenden Mamor-Pflaster.

Dubrovnik bei Nacht.
Dubrovnik bei Nacht.

Ich blinzle, Salzwasser ist in meine Augen gelangt. Ich bin wieder im Hier und jetzt. Um mich herum das Meer. Am Strand sitzt – ganz klein – Torsten und winkt mir zu. Ich winke ihm ebenfalls zu und schwimme zurück. Dubrovnik. Gestern warst du noch so laut, bunt und lebendig. Und du hieltest alles, was du versprachst.
Ich steige aus dem Wasser, rubble mir die salzigen Wassertropfen von der Haut. Später werden wir noch zum Mexikaner in der Flaniermeile Šetalište kralja Zvonimira gehen und uns im Anschluss ein leckeres Eis vom Eisladen gegenüber gönnen, bevor wir uns auf die Räder setzen und die zwei Kilometer zum Campingplatz zurück radeln.

Das Schöne sehen:

Hier findest du einige der im Artikel beschriebenen Stationen:

Kurz zusammengefasst:

WOHNEN nette Unterkünfte gibt es u.a. via airbnb und für Camper*innen auf dem Campingplatz Solitudo | ESSEN & TRINKEN zum Beispiel CHIHUAHUA Catina Mexicans im Stadtteil Rabin Kuk oder das Taj Mahal in der Altstadt. | EINKAUFEN leckeres Olivenöl oder einen Likör aus Kroatien, so kannst du Dubrovnik auch daheim genießen | FORTBEWEGEN am Besten mit dem Bus in die Altstadt und diese dann zu Fuß erkunden, hoch hinaus geht es dann mit dem Cable Car | DIE PERFEKTE BEGLEITUNG Die zweite Staffel von Games of Thrones oder Pippi im Taka-Tuka-Land auf DVD

Fotogalerie Dubrovnik:

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Dubrovnik.
Dubrovnik.

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6 Comments

  • Stimmungsvoller Bericht mit vielen Fotos! Wir waren mehrmals in Dubrovnik. Das erste Mal Anfang der Achtziger mit dem Rollenden Hotel, zu letzt als Tagesausflug auf einer Kreuzfahrt. In Dubrovnik ist so viel zu sehen und entdecken. Wir versuchen immer etwas abseits der Massen zu gehen. Ich kann mich noch an die alte Apotheke erinnern und den schönen Rundgang über die Stadtmauer mit reizvollem Ausblick.

    Liebe Grüße
    Renate

    • Danke Renate für deinen Kommentar. Ja Dubrovnik hat echt viel zu bieten, wenn man sich ein wenig abseits beziehungsweise gegenläufig der Massen bewegt.
      Ja, die alte Apotheke soll auch sehr toll sein. Ist es nicht sogar die älteste?

      Liebe Grüße Kirsten

  • Ich freue mich, dass ich deinen tollen Bericht über Dubrovnik entdeckt habe. Wir wollen nächstes Jahr dorthin und mit deinen wundervollen Bildern hast du mir den Mund noch viel wässriger gemacht. Ich kenne schon einige schöne Städte und Inseln und Orte in Kroatien – aber Dubrovnik soll ja das Sahnehäubchen sein; genau wie die Insel Korcula. Da wollen wir auch hin. Bin schon sehr gespannt. Ich hab‘ mir ein paar deiner Bilder auf mein Pinterest Board „Kroatien“ mitgenommen … vielen Dank 🙂
    Herzliche Grüße
    vonKarin

    • Ohhh super Katrin. Es freut mich, dass ich dich bei deiner Entscheidung fürs Urlaubsziel unterstützen konnte.
      Und auf deiner Pinterest-Seite werde ich mal vorbei schauen.
      Viele Grüße Kirsten

  • toller Bericht mit wunderschönen Fotoeindrücken. Ich kannte Dubrovnik als Ort gar nicht. Bei uns heißt ein Restaurant so. Danke für den schönen Bericht. Ein neues Urlaubsziel ist in Sicht ?
    Liebe Grüße,
    Svenja /strasskind

    • Danke liebe Svenja für dein Feedback zum Beitrag. Es freut mich, dass ich zu einem neuen Urlaubsziel verhelfen konnte. Dubrovnik & Kroatien sind wunderbare Orte, die viel zu bieten haben.
      Liebe Grüße Kirsten

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