Eine Hausbootfahrt, die ist (ent-)spannend. Eine Hausbootfahrt, die ist schön.

Eine Hausbootfahrt, die ist (ent-)spannend. Eine Hausbootfahrt, die ist schön.

Die letzte Nacht war ein wenig strange. Zweimal klingelte unser Zimmertelefon. Einmal gegen elf und dann noch einmal mitten in der Nacht. Beim zweiten Mal meldete sich Beli einfach nur noch mit einem genervten, lauten »WHAT?!« … und legte wieder auf, bzw. den Hörer neben das Telefon. Sie schlief schlecht. Dafür konnte ich diese Nacht ganz gut schlafen. Vor dem Weckerklingeln waren wir aber beide wach, gingen frühstücken und dann packten wir die letzten Dinge in unsere Rucksäcke. Kurz vor halb zehn checkten wir aus und unser Fahrer für die nächsten Tage verlud unser Gepäck im Wagen.

Eine Hausbootfahrt, die ist (ent-)spannend. Eine Hausbootfahrt, die ist schön.

In den nächsten dreieinhalb Stunden bis Alleppey zogen Häuser, Geschäfte, halbfertige Modehäuser, kleine Bretterbuden und Busstationen an uns vorüber. Wir sahen Menschen entlang der Straße gehen, Menschen, die vom Einkaufen kamen, angebundene Kühe, Motorradroller, die uns überholten. Wir fuhren an Motorrikschas vorbei, überholten viele Busse und sahen zwei Elefanten mit angeketteten Füßen.

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Wir überquerten eine Brücke, von der wir einige Hausboote erspähen konnten. Und da bog der Wagen auch schon von der Straße ab. Wir waren da. Ein Mann kam und der Fahrer trug mit ihm unsere Sachen zum Boot.
Und da lag es nun vor uns: ein Hausboot mit einem geflochtenem Dach aus Palmwedeln und Kokosbast. Ein Jesusbild hing in der offenen Messe. Zunächst wurde uns unser Zimmer gezeigt: zwei Betten, Schreibtisch, Schrank und Bad. AC gab es auch. Wir fragten, ob und wann die weiteren Gäste kommen. Da sagte Thomas, einer der Skipper, wir seien die einzigen an Bord und begrüßte uns mit einer duftenden Kette aus frischen Jasminblüten. Ok, na dann – auch gut, dann dürfen wir uns wohl heut mal als Diven fühlen. Ein wenig unwohl war uns allerdings schon.
Die Bootscrew, bestand neben Thomas noch aus zwei weiteren schnauzbärtigen Männern (Reji und Manoj). Und da ging es auch schon los. Die Leinen wurden los gemacht und wir schipperten auf den Flüssen des Kuttanad entlang.

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Vor uns tat sich eine wunderschöne Flusslandschaft auf, gesäumt von Palmen, Mangobäumen, Vogelgezwitscher, kleinen, langen Fischerbooten, Fähren, die die Flussarme kreuzten. Wasserpflanzen und afrikanisches Moos wuchs auf dem Wasser. Komorane trockneten ihr Gefieder in der Sonne, grüne Papageien saßen auf Baumwipfeln. Hinter schmalen Landstrichen, auf denen gerade mal ein Haus samt Kuh, ein paar Hühnern und Waschstelle Platz hatten, taten sich Reisfelder auf. Wir sahen Kirchen, Tempel, Moscheen, an uns vorüber ziehen, Menschen, die sich selbst oder die Wäsche im Fluss wuschen und Kinder die ins Wasser sprangen oder uns zuwinkten. Wir waren in einem sehr ursprünglichen Landstrich Keralas angelangt.
Nach einer knappen Stunde legten wir an und wir bekamen ein einfaches und sehr wohl schmeckendes keralisches Essen serviert. Dann noch ein wenig Rast und schließlich ging es weiter.

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Mit unseren Kameras machten wir es uns auf dem Sonnendeck gemütlich und drückten mal hier, mal da den Auslöser, um die unzähligen Eindrücke einzufangen. Wir überquerten einen großen See, von dem die Hauptflussarme abgehen und sahen viele kleine Kanäle während unserer Fahrt.

Eine Hausbootfahrt, die ist (ent-)spannend. Eine Hausbootfahrt, die ist schön.

Ein wenig dekadent kamen wir uns zwischendurch auf unserem Boot schon vor, so ganz allein und mit Blick auf die einfach lebenden Menschen in ihren Häusern auf den schmalen Landstreifen. Die Bevölkerungsdichte hier in den Backwaters ist doppelt bis viermal so hoch wie in den übrigen Küstengebieten Südindien. Auch die zunehmende Umweltverschmutzung durch die Boote, etc. macht sich zunehmend bemerkbar. Denn das Grün auf dem Wasser sieht zwar schön aus, aber nimmt dem Leben unter Wasser das nötige Licht und Sauerstoff. Viele Hausboote – die hier zu Hauf herum schippern, reagieren, indem sie u.a. kraftstoffsparender herumfahren. Wir sahen auch Solarzellen auf so manchem Hausbootdach.
Der Himmel zog sich zu, es donnerte. Der Nachmittagsregen kam hernieder und wir legten in dem kleinen Ort Champakkulam an, wo wir die St. Thomas-Kirche in besichtigten, die über 600 Jahre alt ist. Thomas kam mit uns, zeigte und erklärte uns alles. Die Decke war aufwendig bemalt und zeigte das Abendmahl sowie die 12 Stationen von Jesus Kreuzigung. Auch der Altar war reich verziert und geschmückt. Thomas konnte alle Heiligenfiguren genau benennen. Als wir schließlich diesen Ort verließen, hatte es aufgehört zu regnen. Nun führte er uns noch zu einer Holzschnitzerei. Dort wurden Heiligenfiguren geschnitzt und aufwendig angemalt. In einem Extra-Shop konnte man diverse kleine, meist hinduistische, Figuren käuflich erwerben. Wir sahen aufgrund der Preise davon ab und gingen zurück zum Boot.

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Dann fuhren wir noch eine Weile den Fluss entlang, bevor wir neben ein paar weiteren Booten, der gleichen Gesellschaft, an einem Anleger fest machten. Mittlerweile war es Abend geworden, ein paar schwer beladene Reisboote fuhren an uns vorüber und eine Gruppe Jungs schmiss sich gegenseitig ins Wasser. Die Sonne verschwand hinter den Bäumen. Es wurde dunkel.
Während die Bootsleute das Abendmahl vorbereiteten, saßen wir in der Messe, lauschten den Grillen und Gesängen, die über der Wasser zu uns heran getragen wurden. Auch die Geckos tauchten auf und unzählige Insekten, die die Deckenlampe umschwirrten. Ansonsten vollkommende Ruhe.
Auch mit dem umfangreichen Abendessen wollte man uns hier mästen – einfaches keralisches Mahl – dafür umso leckerer. Es gab sehr leckere Kartoffeln oder Kokos-Tomaten-irgendwas. Auch sehr wohlschmeckend. Dal, Naan und Reis gab es auch. Und kaum waren wir fertig, gab es auch noch Ananas als Nachtisch.

Wir genossen noch ein wenig die Stille hier draußen und ich begann mit meinem Großen Los von Meike Winnemuth. Ein herzerfrischendes Buch über das Weltreisen: bei Günter Jauch gewann sie 500.000 Euro und verbrachte nun ein Jahr lang einen Monat in einer anderen Stadt überall auf der Welt.
Ich bin zwar noch am Anfang, aber ich kann dieses Buch schon jetzt jeder Person ans Herz legen, die gern die Welt bereist.
Sie bloggte auch über ihre Reise und man konnte ihr Aufträge erteilen. Als dies ist hier nachzulesen.
Und ich hab durch sie schon ein neues Wort gelernt: serendipity – glücklicher Zufall. In diesem Sinne. Mal schauen, welche glücklichen unvorhergesehenen Momente uns auf unserer Reise noch begegnen werden.
Nun erst einmal eine Gute Nacht unter dem Moskitonetz und Ventilator.

Eine Hausbootfahrt, die ist (ent-)spannend. Eine Hausbootfahrt, die ist schön.
Backwater-Tour.

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