Erschöpft. Zwölf Stunden bis Phnom Penh.

Puh, ich kann nicht mehr sitzen. Es ist 18:45 Uhr. Seit halb zehn sitzen wir nun im Bus. Zwischendurch, eine 20minütige Pause. Der Khmer auf den gegenüberliegendem Sitz redet seit Stunden fast ununterbrochen. Ab & zu entgegnen die mitreisenden Khmer_innen ihm etwas. Was mag er die ganze Zeit erzählen? Über das Wetter? Das Weltgeschehen?! Manchmal lachen andere. Etwas lustiges? Er lacht am lautesten. Ich will endlich ankommen. Da sein. Mich bewegen, die Füße ausstecken. Da sein.
Eben sind wir über die Brücke gefahren. Auf der anderen Seite unser ersehntes Tagesziel? Anscheinend doch nicht, denn wir fahren weiter. Das war erst Kompong Cham. Noch weitere zwei Stunden in diesem Bus. 🙁

Mittlerweile ist es 20:35 Uhr. Wir sind immer noch unterwegs. Vor einer Dreiviertel Stunde eine kurze Pause. Die Menschen nach Siem Reep konnten umsteigen, wir kauften uns eine Pomelo & ne Cola. Vor einer Dreiviertel Stunde waren es noch 75 km bis Phnom Penh.
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Unser Wecker klingelte kurz vor Sieben. Ich war bereits wach. Wir packten unsere Rucksäcke & gingen Frühstücken. Um 8:00 Uhr startete das Boot Richtung Festland: Nakasang. Dort angekommen brachte uns der Fährmann zum Busbahnhof. Von hier aus noch mal zu einem Ort. Wir mussten unsere vorläufigen Tickets noch in richtige umtauschen. Außerdem bekamen wir die Unterlagen für unsere Visa-Anträge für das Königreich Kambodscha. Der Ort selbst war schon sehr geschäftig. Auf einer Decke taten drei große Fische ihre Atemzüge. Frauen liefen mit Körben voll Salat & Kräutern die Straße entlang. Eine Frau bog Fladen mit zwei Stöckern über einem offenen Feuer. An den Ständen wurde bin Süßigkeiten über Rohrzwischenstücken bis hin zu Haushaltsgegenständen alles angeboten.
Wir lernten eine Polin kennen, die jetzt in Litauen lebt & in die gleiche Richtung wollte, wie wir. Der Busleiter sammelte die Pässe, Visa-Anträge & je 24,00€ ein.
Gegen halb zwölf waren wir an der Grenze. „Everybody out of the bus to cross the boarder.“ Im Niemandsland hielt uns eine Frau mit Mundschutz eine Messpistole an den Hals. Wir durften passieren. Dem Bus wurden die Reifen desinfiziert. Nach der Schranke warten. Wir kauften ein paar Kekse, um uns die Wartezeit zu verkürzen. Eine gute Stunde, dann durften wir wieder einsteigen. Die Pässe wurden zurück gegeben. Es ging zu wie auf einem Basar: „Israel?!“, „France?!“, „Canadia?!“, „Switzerland?!“, „Germany?!“, „USA?!“, „Poland?!“ Nun enthielten unsere Pässe ein neues Visum & zwei neue Stempel. Ferkel hatte in der Zwischenzeit sein Kambodscha-Band umgebunden, welches ihm Christian vor einigen Jahren mitgebracht hatte. Dann kam ein Grenzbeamter & ließ sich von allen nochmals die Pässe zeigen & verglich sie mit den jeweiligen Gesichtern, die vor ihm saßen. Als er Torstens Pass zurück gab, sagte er etwas, dass wir nach erneuter Wiederholung als „Dankeschön“ entzifferten.
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Weiter ging die Fahrt. Vorbei an Gestrüpp, Felder, Wäldern, angebrannten Landstrichen, Siedlungen, Shops, Frauen, die weiße Rüben schälten & sie zum Trocken am Straßenrand ausbreiteten.
Die Straße, der Asphalt war schlecht. Immer öfter fehlte er ganz, dafür riesige Schlaglöcher. Im Gepäckraum knarkste es gewaltig, als ob man Eiswürfel aus der Form heraus schlägt.
Der Bus musste anhalten, irgendetwas war defekt. Vom Fahrer schauten nur noch die Beine hervor, während er unter dem Bus lag & irgendwas reparierte.
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Die Fahrt ging weiter. Immer wieder dahin dämmern oder lesen. Am Nachmittag eine Pause. Alle genehmigten sich einen warmen Imbiss. Nach zwanzig Minuten ging die Fahrt weiter. Vor uns eine Straße, die gerade am entstehen war. Teilweise war die Strecke schon asphaltiert, teilweise noch planierter Schotter. Felder, Shops, Stelzenhäuser, Teiche, der Mekong, Mofas, Autos, Fischständen, Menschen & immer wieder herum liegendes Plastik zogen am Fenster vorbei. Zwischendurch lesen. Langsam ging die Sonne als roter Feuerball am Horizont unter. Es wurde schwarz rings herum.
Der Mensch in meinem Buch Extrem laut & unglaublich nah. [Jonathan Safran Foer] fiel auf den letzten Seiten in einem Daumenkino den Twin-Tower hinauf. Ich hatte es fertig gelesen.
Der Typ gegenüber erzählte weiterhin wie ein Wasserfall & spuckte gelegentlich auf den Boden. Der Bus schüttelte weiterhin alle Insass_innen durch.
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Mittlerweile ist es halb zehn abends. Wann sind wir da?!

Es ist 22:00 Uhr, wir fahren auf den Busbahnhof ein. Sogleich kommen ein duzend TukTuk-Fahrer angerannt, als ginge es hier um das Geschäft ihres Lebens. Sie winken uns zu. Sobald wir aussteigen heftet sich einer an unsere Fersen & bequatscht uns so lange, bis wir uns schließlich von ihm zum Hotel bringen lassen. Natürlich will er uns zwischendurch noch andere aufschwatzen.

Erschöpft. Zwölf Stunden bis Phnom Penh.
Erschöpft. Zwölf Stunden bis Phnom Penh.

Kurz vor elf. Ich liege auf dem Bett. Und von hieraus bewege ich mich heut nirgends mehr hin.
Fazit: Reisen & Abenteuer erleben kann eben auch anstrengend sein.

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