Für die Berlinale & Visa quer durch Berlin.

Berlinale.

Heut morgen war ich bereits vor dem Wecker-Klingeln wach. Einiges lag vor mir & meine innere Uhr wollt wohl nicht verschlafen.
Kurz nach Sieben schälte ich mich also aus dem Bett, schmierte mir meine Pausenbrote, genoss meinen Tee & kurz nach acht verließ ich auch schon die Wohnung. Von der Warschauer Str. bis zum Potsdamer Platz galt ein paar Haltestellen mit den U-Bahnen Berlin zu fahren. Dort angekommen ging ich vorbei an den, teilweise über Nacht campierenden Wartenden vor den Ticketschaltern in den Potsdamer Platz-Arkaden zu meinem Akkreditierten-Schalter, der bereits um 8:30 Uhr und nicht erst um 10:00 Uhr öffnete. Auch dort war bereits eine lange Schlage & ich reihte mich mit einem Übersichtsplan für mögliche Akkreditierten-Tickets ein. Als ich an der Reihe war, waren natürlich die meisten Tickets schon weg, aber ein paar erstand ich noch.

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Dann ging es auch schon weiter, quer durch die Stadt, in die Stavangerstr 19, die Botschaft von Ghana, wo ich fehlende Unterlagen für zwei Kolleginnen einreichen musste, damit diese am Montag mit gültigem Visa einreisen können. Beide sind leider verhindert & daher erklärte ich mich bereit, diesen Job zu übernehmen. Ich konnte ja nicht ahnen, das dies so kompliziert ist.
Als ich ankam, saßen bereits sehr viele Personen im Warteraum: manche wollten nur ihre Reisepässe oder die von Bekannten, Kolleg_innen, etc. abholen, andere gaben Express-Visa auf & mussten diverse Unterlagen, wie Kontoauszug, Hotelnachweis in Ghana, Einladungen nach Ghana, etc. nachweisen. Einige wartenden Geschäftsleute führten nebenbei Telefonmeetings, ein andere musste seinen Flieger bekommen, der in zwei Std. ging. …
Neben den fehlenden Unterlagen bei meinen Kolleginnen (u.a. Gehaltsbescheinigungen), wollte die Bearbeiterin noch von mir wissen, welche Art Visa die Kolleginnen bestellt hatten. Einige Telefonate später hatte ich auch diese Infos. Etwas surreal dies alles.
Nun gut, um elf hatte ich alles, was die Dame von mir wissen & haben wollte, eingereicht. Ich sollte um 15:00 Uhr wieder kommen.

Und in der Zwischenzeit? (Also immer noch kein Filmegucken, obwohl sich mir schon welch für zehn anboten) Ich wollte schauen, ob ich für Babette (meine Übernachtungsgastgeberin) und ihren Papa (er war für das Wochenende zu Besuch in Berlin) Tickets für die Berlinale ergattern könnte. Also zurück zum Potsdamer Platz & in die lange Schlange vorm Ticketschalter eingereiht. Ferkel leistete mir Gesellschaft & half mir beim Durchblick über die nicht mehr/bzw. noch verfügbaren Tickets.
Eineinhalb Stunden später hatte ich drei Tickets: zwei für den Dokumentarfilm »Ödland« & eine für »Camille Claudel 1915«.

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»Am Himmel der Tag«

Ich schaffte es sogar noch in den dt. Film »Am Himmel der Tag«: zwei Mädchen, Lara und Nora, beste Freundinnen, wilde Parties in Nachtclubs , dort ein Treffen auf den Dozenten, Gefühle, Lara will gern, Nora nimmt ihn mit, dafür bei Lara eine erst ungewollte Schwangerschaft durch einen One-Night-Stand mit dem Barkeeper im Pillenrausch. Dann will Lara das Kind aber behalten, pausiert mit ihrem Architekturstudium. Die Partyqueen Nora wird zur guten Studentin, Lara geht immer weiter in ihrer werdenden Mutterrolle auf und spielt diese weiter, als das Kind im Mutterleib stirbt.
Leider konnte ich den Film nicht bis zum Ende sehen, da in »Ghana« zwei Pässe auf mich warteten. Empfehlen möchte ich ihn dennoch. Mir gefielen die Erzählweise, die Kameraeinstellungen, die Geschichte unter dem Gezeigten, die nach und nach aufzubrechen drohte. Ich bin gespannt auf das Ende.
Aber zum Glück gab es bei der Pass-Odysee irgendwann ein Ende. Und zwar ein Ende nach nochmaligem zweistündigen Warten vor Ort.

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»Boven is het stil«

Mittlerweile war Christian mit lecker Tee zu mir gestoßen. Danke! Wie wohltuend in dem bisher sehr stressigem Tag. Wir quatschten, shoppten frische Bücher in dem tollen »Buchladen zur schwankenden Weltkugel« & mussten uns auch schon bald wieder trennen, da der nächste Film auf mich wartete: »Boven is het stil«. Ein niederländischer Film im Friedrichstadtpalast, welcher die die Reihe Panorama eröffnete.
Zu Beginn verfrachtet der 55-jährige Helmer seinen gebrechlichen Vater ins obere Stockwerk & lebt im Erdgeschoss & auf dem Bauernhof (mit 31 Kühen, einigen Schafe. & zwei Eseln) immer mehr ein Einsiedler-Leben. Ab und zu kommt seine Nachbarin mit ihren zwei Kindern vorbei. Ein Bekannter zum Milch abholen ist vor Ort. Eine gewisse (An-)Spannung liegt in der Luft. Doch Helmer kapselt sich ab, kann sich nicht emanzipieren, seine Gefühle eingestehen. Er holt den Hilfarbeiter Henk aufs Gehöft. Die Annäherungsversuche Henks bloggt er ab, Henk verlässt ihn darauf hin. Endlich, der Vater liegt im Sterben, bricht es in Helmer auf, er redet. Der Vater stirbt, der Milchfahrer kommt zurück in den Ort. Der Film endet mit folgender Szene: Helmer geht allein durchs Feld und legt sich hinein. Sein zorniger Gesichtsausdruck weicht einem milden zuversichtigen Blick gen Himmel.
Mir gefiel die Art der Kameraführung (Handkamera mit mal dichten, lang gehalteneren Kameraeinstellungen, wo sich die Einstellung sich eher durch einen Kameraschwenk als durch einen Schnitt ändert) & der kalte, graue abgrundtief des Films. Beides unterstütze sehr gut die Erzählweise und somit den Inhalt des Film der ohne viele Worte auskommt.

Nun endlich daheim, die Füße hoch gelegt, noch ein wenig das Programm studiert & dann ab ins Bett. Morgen geht’s wieder früh zum Ticketschalter.

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