Geburtstag in Phnom Penh.

Abends in Phnom Penh.
Abends in Phnom Penh.

Achtung, dieser Artikel enthält u.a. Infos & Bilder, die eventuell dein Gemüt verstören könnten.

Der Wecker klingelte um halb acht. Nach einem Geburtstagsknuddler von Ferkel & Co. stand Torsten auf für seinen Guten-Morgen-Geburtstagslauf entlang der Uferpromenade. Natürlich wurde er, sobald er das Hostel verließ, gefragt, ob er ein TukTuk wolle. Er verneinte & lief in seinem Laufdress los. Als er am Ufer ein paar Dehnübungen machte, wurde er von einem jungen, üppig geschminkten Mädchen angesprochen. Er winkte gleich ab & lief zurück.
Wir machten uns fertig & gingen frühstücken.

Auf dem Bild sind Cylofahrer zu sehen. Diese gemächliche Art der Fortbewegung gibt es nur hier in Phnom Penh.
Auf dem Bild sind Cylofahrer zu sehen. Diese gemächliche Art der Fortbewegung gibt es nur hier in Phnom Penh.

Im Anschluss nahmen wir ein TukTuk & ließen uns zu den Killing Fields, die etwas außerhalb der Stadt liegen, bringen. Wir zahlte den Eintritt von je 6,00 $ & bekamen zum Ticket noch einen Audioguide in deutsch. Mit diesem begaben wir uns auf den Rundgang über das Gelände. In der Mitte steht die Gedenkstupa, sie bildet den Anfang & das Ende der Ausstellung. Hier werden sie Gebeine der Opfer von Choung Ek pietätvoll aufbewahrt. Das Gelände, auf dem sich das bekannteste von 300 Killing Fields befindet, war ein ehemaliger chinesischer Friedhof.
Viele Gebäude wurden nach 1979 abgerissen, da die Menschen Baumaterial benötigten. So bewegen wir uns auf einem grünen Areal. Immer wieder gibt es Hinweistafeln & Audioinfos dazu. Wir kommen an dem Hinweisschild für die Haltestelle der Busse vorbei. Zu Beginn des rote Khmer-Regime kam hier hier alle zwei bis drei Wochen ein Bus, um Gefangene abzuladen, später waren es täglich mehrere. Anschließend die Hinweistafel für das Gefängnis. Ein Zusatzbeitrag informiert uns über die Gewaltherrschaft des Bruders Nr. Eins, Pol Pots. Wir gingen am Platz vorbei, wo sich das Arbeitszimmer des Henkers befand & kamen zum ehemaligen Lagerort der Chemikalien, mit welchen die Toten eingesprüht wurden, falls diese noch nicht ganz tot waren & den Verwesungsgestank zu überdecken. Hier hab es auch Palmen. Die Palmenblätter wurden genutzt, um den Opfern die Kehle durchzuschneiden. Wir kamen zum ersten Massengrab von 86 hier geöffneten (129 sind es insgesamt) mit 450 Opfern. Auf der Wiese dahinter konnte man an den Kuhlen dahinter erkennen, dass hier noch viele Massengräber waren. Die Menschen mussten sich in den Nächten daneben knien & ihnen wurden mit Eisenstangen der Schädel zertrümmert, um Gewehrkugeln zu sparen. In den vergangenen 34 Jahren wurden immer wieder Kleidungsstücke, Knochen & Zähne durch den Regen an die Oberfläche geschwemmt.
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Wir kamen zu einem See. Mit Blick auf die Seerosen lauschten wir den Erfahrungsberichten von Überlebenden. So berichtet ein Mann, der als Jugendlicher als Zwangsarbeiter beim Stehlen für seine hungrige Schwester erwischt wurde & dafür ins Gefängnis musste: „Jeden Abend mussten wir zusammen kommen. Man musste sich eine Geschichte erfinden, in der man etwas unrechtes getan hatte & anschließend um Vergebung bitten . Man musste sich Lügen ausdenken & die eigenen Lügen glauben, damit uns vergeben uns wurde. Eines nachts gingen mir die Geschichten aus.“
Wir kamen zu einem Massengrab von 166 Opfern ohne Kopf. Dies waren Menschen von ehemaligen Rote Khmer-Militär, von welchem sich das Regime verraten fühlte: „Der Körper Khmer, der Kopf vietnamesisch.“ Auch die gesammelten Kleidungsstücke werden gezeigt. Es sind auch welche von Kindern & Babies darunter. Darüber hinaus sind Stoffstreifen zu sehen, mit denen den Opfern die Augen verbunden wurden.
Am Killing Tree sind besonders grausame Taten begangen wurden: vor den Augen der Mütter wurden hier die Babies mit dem Kopf an den Stamm geschlagen. Man fand nach 1979 noch Reste dieser Gräueltat am Baum. 20140117-204651.jpg
In einem weiteren Glaskasten werden einige Knochen & Zähne gezeigt. Daneben ein Geisterhäuschen, welches (in ganz Kambodscha) den Ahnen & herum irrenden Seelen gewidmet ist. Im magischen Baum hingen damals Lautsprecher, angetrieben durch laut ratternde Motoren. Sie spielten Propaganda-Musik. Wir gelangten zur Gedenkstupa & gedachten der Toten.
Im Museum konnten wir uns im Anschluss noch über das Regime informieren.
Über 3.000 000 von 8 Millionen Kambodschaner_innen kamen damals unter der Roten Khmer-Herrschaft um. Erschütternd ist auch, dass die Roten Khmer auch nach 1979 lange Zeit ein Sitz in der UNO hatten.
Was fehlt, ist die geschichtliche Einordnung des Geschehens. Wie konnten die Roten Khmer so erstarken & so lange diese Gewaltherrschaft behalten ohne, dass jemand eingriff? Was ist mit den Überlebenden?! Was tun die Täter heute?! Bisher wurde nur Laing Guek Eav alias der Duch vor Gericht gestellt & verurteilt.
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Die 3/4-stündige Fahrt zurück in die Innenstadt tat gut. Das Gesehene & Gehörte konnten wir so verarbeiten sowie diskutieren.

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Es ging zum zum Phsar Thmey – dem Central Market & schlenderten zwischen den unzähligen Klamotten-, Taschen-, Schuh-, Schmuck-, Technik- & Essensständen entlang. Natürlich erlagen wir hier & da dem Angebot & kauften eine Uhr, einen kleinen Buddha, Kramas, einen Rucksack & Handtaschen aus alten Zementsäcken. Das frische Essens-, vorallem das Meerestier- & Obst, – angebot begeisterte mich sehr. Ich war sehr fasziniert. Immer wieder löste ich den Auslöser meiner Kamera aus. Ferkel spendierte Torsten eine erfrischende Geburtstagskokosnuss (die war aber auch lecker).
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Genug eingekauft. Wir gingen zum Phnom Penh, was soviel bedeutet wie der Hügel der Penh. Die wohlhabende Großmutter Penh fand damals im 14 Jh. hier an diesem Hügel, glaubt man der Legende, einen angeschwemmten Baumstamm mit drei Buddhastatuen darauf. Sie spendende daraufhin ein Heiligtum für die Skulpturen. Dies war quasi der Grundstein der späteren Stadt.
Eine riesige Uhr am Hang zeigte die Zeit an. Wir gingen hinauf in das Wat Phnom & ließen den Innenraum auf uns wirken.
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Na diesem langen Tag waren wir hungrig & k.o.. Da half nur eins: gemütlich ein einem Restaurant sitzen & den Abend ausklingen lassen. Die Wahl fiel auf das Titanic direkt am Bootsanleger. Wir nahmen in diesem schicken Restaurant einen Tisch direkt am Flussufer & bestellten leckere Gerichte. Dazu boten später zwei Tänzerinnen & ein Musiker noch eine passende Abendunterhaltung: Apsara-Tanz. Kann ein Geburtstagsabendessen schöner sein?!
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Auf dem Rückweg schlenderten wir über den Nachtmarkt & ließen uns dann für ein paar Nachtfotos zum Palast fahren.
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Als wir schließlich zu unserer Unterkunft zurück liefen, kamen wir an einer Ausstellungseröffnung vorbei: Our City ’14. Künstler_innen stellten hier ihre Stadtentwicklungsvisionen vor. Das Publikum im The Mansion war international. Mit einem Cocktail mischten wir uns unter das metropolitische, globale Event & schauten uns die Exponate an. Einige spannende Werke & Konzepte wurden hier präsentiert. Eingebettet war dies alles in einem sehr interessanten, alten, halb verfallenen, ehrwürdigen Gebäude.
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Irgendwann schauten wir auf die Uhr. Bereits nach 22:00 Uhr. Ein langer, spannender Geburtstags-Tag lag hinter uns. Die morgige Weiterreise an die Küste vor uns. Zeit ins Bett zu gehen.

Übrigens, so feiert man Geburtstag in Asien.
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Hier noch mehr Fotos von unserem ersten Tag in Phnom Penh:

(klick dich einfach durch die Galerie)

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