Gespräch mit der Professorin.

Gespräch mit der Professorin.
Gespräch mit der Professorin.

Seit 2013 ist das männliche Personal im Grundortnungstext der Uni Leipzig mitgemeint. Dies ging auf den Vorschlag eines Physikprofessors zurück, der in einer Sitzung vorschlug, nur noch die weibliche Schreibweise für die Berufsbezeichnungen für die neue Uni-Grundordnung zu verwenden. Mit dem, was im Anschluss passierte, hatte Georg Teichert (Gleichstellungsbeauftragter der Universität Leipzig) nicht gerechnet: ein regelrechter Mediensturm fegte im Anschluss über die Uni Leipzig, Deutschland, gar weltweit hinweg. Es gab Menschen, die begeistert reagierten, aber auch viele Personen – vornehmlich Männer – die mit Unverständnis, Verärgerung, sexistischen Beleidigungen Wut, Hassreden, Drohungen, etc. (im Netz) reagierten.

Prof. Dr. Luise F. Pusch, Sprachwissenschaftlerin und Publizistin, äußerte sich damals in zwei Glossen zur Einführung des generischen Femininums:

Gestern wurden beide von der Heinrich-Böll-Stiftung zur gemeinsamen Podiumsdiskussion unter dem Titel »Guten Tag, Herr Professorin!« eingeladen. Moderiert wurde diese von Michaela Frohberg (Koordinierungsstelle Frauen- und Geschlechterforschung in Sachsen-Anhalt).

Neben der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt waren das Volksbad Buckau c/o Frauenzentrum Courage und die Koordinierungsstelle Frauen- und Geschlechterforschung in Sachsen-Anhalt Mitveranstalterinnen.

Nachdem sich Georg Teichert und Prof. Dr. Luise F. Pusch mit einem Einführungsstatement selbst und ihre Positionen kurz vorstellten (Frau Pusch tat dies mit ihrer jüngsten Glosse Bläblä), berichteten beide von ihren Beobachtungen und Erfahrungen im Umgang mit Geschlechterthemen in gesellschaftlichen, politischen und medialen Zusammenhängen.
Luise F. Pusch berichtete, dass sie diese Szene schon seit über 30 Jahren beobachte. Sie begleitete in dieser Zeit mehrere Institutionen, die ihre Grundordnung ins generische Femininum umformulierten oder wollten. Die Resonanz der Medien darauf glichen dem der Uni Leipzig. Dies brachte sie zu ihrer Überlegung: Wenn man Aufmerksamkeit erlangen will. schafft man dies über solche Aktionen. 😉

Aber warum ist die Diskussion um die Verbreitung und Verwendung des generischen Femininum, die Benutzung beider Formen, die Nutzung des Binnen-I oder auch des Gender_Gap so erregt?

Die Sprache ist symbolisches Kapital. Dieses muss gewahrt werden – von der patriarchalen Gesellschaft. Die Besitzstände dieser. // Die schöne deutsche Sprache. // Männer sind das wichtige Geschlecht. Die Frau: das andere Geschlecht. // Frauen sind doch stehts mitgemeint. – aber warum geht es nicht auch anders herum?! // Es geht um eine Frage der Macht und der Ausdruck dieser. // Es geht um eine Einstellungsfrage von Männern zu Frauen-spezifischen Fragen. //Das Sprach-Modell von Matthias Behlert (via Brauchen wir den Unterstrich? Feministische Linguistik und Queer Theory, Teil 1). // Es ist keine Frauen-Frage, sondern eine Gerechtigkeitsfrage. // Durch die Verwendung der rein männlichen Form in der Sprache werden Leistungen und Errungenschaften von Frauen trivialisiert und verschwiegen. // Wir entwickeln uns durch nachahmen weiter. Wenn die gendergerechte Sprache lang genug vorgelebt und gelebt wird, dann wird sie sich in immer mehr Köpfen verankern, Denkanstöße liefern und weiter entwickeln. // Veränderung beginnt im Kopf. // Sprache schafft Wirklichkeit.

Beide berichteten, dass mit der #Aufschrei-Kampagne, der Änderung der Grundordnung der Uni Leipzig, etc. ein Ruck durch die Gesellschaft geht. Immer mehr Menschen nehmen sich diesem Thema an. Frau Pusch gab zu bedenken, dass wir Frauen zu wenig streiten. Und Herr Teichert ist der Überzeugung, dass der Weg in eine gleichberechtigte Zukunft nur über ein Top-Down-System funktionieren kann. Nur wenn bestimmte Dinge erst einmal vorgeschrieben sind (wie die Frauenquote, etc.), haben Frauen die Chance einen Fuß in der Tür können gemeinsam mit ihren männlichen Mitstreitenden für eine gleichberechtigte Zukunft kämpfen.

Mein Dank gilt den Organisator_innen und Veranstalter_innen sowie den Menschen auf dem Podium. Es war eine sehr schöne Diskussion. Die beiden Gäste sprachen sehr erfrischend, witzig, klar, sprachlich überzeugend und fachlich fundiert. Auch die Wortmeldungen aus dem vollen Zuschauendensaal bereichernden den Abend ungemein. Bestärkt in meinen Ansichten, mit einem signierten Buch von Luise F. Pusch in der Tasche machte ich mich schließlich auf den Heimweg.

Es ist noch ein langer Weg, der wahrscheinlich noch über Jahre gehen wird, aber es geht voran. Langsam. Und dabei ist es sehr wichtig, sich darüber immer im Klaren zu sein:

Wir führen die Feminismusdebatte nicht für Frauen, sondern für alle.

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2 Comments

  • Vielen Dank für die tolle Zusammenfassung Kirsten, uns hat der Abend auch sehr gefallen. Und schön, das es so voll war und sich viele auch an der Diskussion beteiligt haben. Das macht auch Mut.
    Kannst du den Link zu uns nochmal kontrollieren, bei mir macht sich da eine andere
    Seite auf.

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