Handeln. Vertrauen. Glauben. … und Musik.

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Nach dem gemeinsamen Tee/Kaffee mit Babette machte ich mich zum Akkreditierungsschalter auf. Als ich kurz vor neun ankam, war die Warteschlage bereits weg & ich bekam Tickets für drei, der von mir vorher geplanten Filme für den Mittwoch.
Dann machte ich mich auf zu meinem ersten Film: Das radikale Böse. Dieser lief im, nach der Renovierung wiedereröffneten Zoopalast. In einem schönen Saal nahm ich auf einem der breiten Sitzplätze Platz. Die Lehne ließ sich sogar in der Position nach hinten verschieben & eine Fußlehne klappte heraus.
In Das radikal Böse untersucht der Regisseur Stefan Ruzowitzky wie aus ganz normalen Männern Massenmörder werden können.
Anhand von Originalaufnahmen, Briefen, Fotografien, Tagebuchaufzeichnung, Nachgesprochene Zitate der Täter aus dem Off, Interviews mit Psychologen & Forschern, Vorstellung verschiedener Verhaltenstests, Gerichtsprotokollen kombiniert mit Männern in Nazi-Uniformen. Von ihnen gab es Großaufnahmen, Einstellungen in denen sie durch den Wald liefen, Fußball spielten, ihre Uniformen instandhielten oder sich Bad rasierten. Ganz normale Männer, Soldaten, die einen Befehl ausführten und daran verzweifelten. Männer, die mitzählten, wieviele Menschen sie im Rahmen ihres Einsatzes im Erschießungskommando ab ’41 umbrachten. Aber auch Männer, die den Befehl verweigerten. Sie hatten Familie, Frauen, Kinder. Sie ermordeten Männer, Frauen, Kinder. Der Film zeigt anhand dieses konkreten Beispiels aus der Nazi-Zeit, dass es kein spezifisch deutsches Problem ist. Die Interviews mit den Experten zeigen auf, dass jeder Mensch dazu fähig sein kann. Sie lassen sich beeinflussen – von den Mitsoldaten, von Vorgesetzten, von der Masse, vom Gewissen.
Und das, was damals passiert ist, kann immer wieder passieren. Passiert immer wieder.
Ich war sehr gespannt auf diesen Film, da ich im Urlaub einen Bericht über Film & Regisseur sah. Ich wurde nicht enttäuscht. Darüber hinaus denke ich, dass sich der Film auch gut für unsere Seminararbeit verwenden lässt.
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Ortswechsel. 12:30 Uhr Kraftidioten im Friedrichstadtpalast. Konstantin & Begleitung waren auch dabei.
Der Wettbewerbsfilm von Hans Petter Moland ist eine Ganstergeschichte voll bitterem, schwarzen Humor.
Der stille & arbeitssame Nils (Stellan Skarsgård) fräst mit seinen gewaltigen Schneepflügen die Wege der norwegischen Winterwelt frei. Dafür wurde er gerade als Bürger des Jahres ausgezeichnet. Ihn erreicht die Nachricht, dass sein Sohn an einer Überdosis Heroin gestorben ist. Er kann nicht glauben, dass sein Junge ein Junkie war & begibt sich daher auf die Suche nach den Mördern. Mit der Zeit wird er so zum gefürchteten Rächer, denn der Auftraggeber für den Mord an seinem Sohn ist niemand geringerer als ein führender, vegan lebender Drogenboss, der sich sein Revier mit den Serben (dessen Anführer wird von Bruno Ganz gespielt) teilt. Irrwitzige Wendungen, fassettenreiche Charaktere & die endlosen Schneelandschaften, die das Koksthema noch einmal wunderbar aufgreifen machen den Film zu einem spannungsgeladenen Film. Und die Todeseinblendungen der Namen plus Religionszugehörigkeit auf schwarzen Hintergrund sind das Quäntchen schwarzen Humors.
Auf jeden Fall empfehlenswert. Was mich allerdings massiv störte, dass bei vielen Mordszenen das Publikum schallend lachte, da ich dies nicht immer als angemessen fand, denn es wurde ja gerade jemand umgebracht. Auch meine Sitznachbarin irritierte mich immer wieder, wenn das Licht auf ihrem Handy anging, da sie sie ständig SMS-Nachrichten versenden musste.
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Ortswechsel. Potsdamer Platz und eine Kleinigkeit essen. Im Anschluss schaute ich mir mit Konstantin und Co Zwischen Welten an. Dafür durften wir über den roten Berlinale-Palast-Teppich flanieren. Eine Freude für Ferkel. 🙂
Der deutsche Wettbewerbsbeitrag von der Regisseurin Feo Aladag (Die Fremde) beschreibt den Einsatz des Soldaten Jesper (Roland Zerfeld) in dem umkämpften Land Afghanistan. Gemeinsam mit seiner Einheit wird er in einem abgelegenen Dorf stationiert & soll dieses vor den Taliban schützen. Als Unterstützung steht Jesper der junge Afghane Tarik zur Seite, der für ihn dolmetscht. Nach und nach brechen die Unterschiede der beiden Kulturkreise auf. Während Jesper eine Kuh erschießen lässt, weil sie sich im Stacheldraht verfangen und dabei das Genick brach und er sie daher von ihrem Leid erlösen will, kann das afghanische Dorf diese Tat nicht vollziehen. Sie wollen Ersatz. Nach und nach versuchen sich beide Seiten anzunähern. Gerade zwischen Jesper und Tarik beginnt ein Freundschaft aufzukeimen. Immer stärker hinterfragt Jesper seinen Einsatz hier und gerät immer stärker in Gewissenskonflikt mit den Befehlen der Vorgesetzten. Als schließlich Tarik mit dem Tode bedroht und dessen Schwester angeschossen wird, fällt Jesper eine folgenschwere Entscheidung.
Der Film hinterfragt sehr gut, welchen Sinn solche ISAF-Einsätze haben, wie sich Fremdheit überbrücken lässt und Vertrauen hergestellt werden kann. Und schließlich die Frage was mehr zählt, eine Menschenleben oder einem Befehl gehorchen. Bewusstestes Versagen dabei nicht ausgeschlossen.

Nach dem Film sahen wir noch Andrea Sawatzki aus dem Film kommen und Ferkel lief neben Katja Riemann über den roten Teppich. Der Film schien also auch von der dt. Filmprominenz gut besucht worden zu sein.
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Weiter ging es. Zurück zum Zoo-Palast. Ich schaute mit die Weltpremiere The Two Faces of January | Die zwei Gesichter des Januars von Hossein Amini an.
Rydal (Oscar Issac) ist amerikanischer Reiseführer in Athen im Jahre 1962. ab und zu betrügt er seine (vornehmlich weiblichen Gäste) um ihr Wechselgeld. Da bemerkt er die elegante Colette (Kirsten Dunst), während sie bei ihrem Mann Chester MacFarland (Viggo Mortensen) untergehakt durch die Akropolis flaniert. Chester läd ihn zum Essen ein & er fasziniert von der eleganten Art der beiden. Ein wenig später beobachtet Rydal Chester, wie dieser einen anscheinend Bewusstlosen durch den Hotelflur schleift. Chester bittet ihn um Unterstützung. Gemeinsam verlassen die drei überstürzt das Hotel & eine Flucht nach Kreta beginnt. Chester lässt seine Maske fallen, ist von Eifersucht durchtränkt, da Rydal seiner Colette schöne Augen macht. Außerdem ist ihnen nun auch noch die Polizei auf der Spur.
Die Verfilmung des Patricia-Highsmith-Romans ist ein gelungener (kurzweiliger) Thriller, der in die warmen Farben der 1960ziger getaucht ist.
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Der letzte Ortswechsel für heute. Nachdem ich in der Berlinale-Lounge dem Interview zwischen Knut Elstermann und John Maloof, dem Regisseur von Finding Vivian Maier gelauscht hatte, ging ich in meinen letzten Film für heute.
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20,000 Days on Earth von Iain Forsyth & Jane Pollard Ist ein sehr dichtes Porträt zum 20.000 Tag im Leben von Nick Cave. Dieser beginnt mit dem Weckerklingeln und endet bei Strandspaziergang nach dem Konzert. Dazwischen erleben wir Nick Cave beim Schreiben, Komponieren, Treffen mit Freunden, bei Gesprächen im Auto mit Künstlerkolleg*innen wie Blixa Bargeld oder Kylie Minogue, Tonaufnahmen, Gesprächen mit dem Therapeuten, dem Besuchs seines Archives, Pizza Essen mit seinen Kindern und schließlich auf seinen Konzerten. Immer wieder gibt er Einblicke in seine Arbeitsweise, Gedanken, seine Weltsicht & Philosophie des Songwritings, in Privates und Berufliches. Er ist rastlos und melancholisch, selbstverliebt und umrahmt den Film mit seinen eingesprochenen Texten aus dem Off.
Ein gelungener, nachdenklich tiefgehender, musikalischer Abschluss des Tages.
[youtube http://www.youtube.com/watch?v=kV9cobZP4JA&w=640&h=360] 20140212-104629.jpgUnd nun ein wenig Schlaf.

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