In die Seele kann kein Mensch blicken.

In die Seele kann kein Mensch blicken.
In die Seele kann kein Mensch blicken.
In die Seele kann kein Mensch blicken.
In die Seele kann kein Mensch blicken.

Heute war Ferkels Geburtstag. Sein elfter. Als er in die Küche kam, hatte Babette bereits den Geburtstagsfrühstückstisch gedeckt. Eine Blume stand da, umwickelt mit einer Luftschlange, davor drei kleine Muffins und darauf brannten drei kleine Geburtstagskerzen. Auch ein paar Süßigkeiten, Seifenblasen und einen tolle Geburtstagskarte inkl. Reisegutschein nach Oslo (war er noch nicht) gab es. Auch ich stellte mein Oxfam-Schwein dazu. Ferkels freute sich riesig & wünschte sich sicher etwas fantastisch tolles beim auspusten der Bunten Lichter.
Nachdem ich meine Wegzehrung vorbereitet hatte, verließen wir das Haus. Wir waren mit Christian und Jan verabredet. Zuvor aber noch ein paar Karten für Akkreditierte besorgt.
Wir trafen uns Haltestelle Eisenacherstraße und ließen uns in einem netten Café nieder. Neben dem Frühstück gab es für Ferkel weitere tolle Geschenke: selbstgebackener und Veganer Herzkuchen, ein tolles Buch mit seinen Kumpels Tigger, I-ah und Co., … Wir unterhielten uns, scherzten und spielten Quizduell.
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Nach dem Frühstück trennten sich unsere Wege wieder. Ich fuhr zum Haus der Berliner Festspiele, wo ich mir um halb eins einen Film anschauen wollte. Als ich gegen 12:00 Uhr ankam, wunderte ich mich, warum es hier so leer war. Es waren kaum Menschen hier, obwohl doch bald ein Wettbewerbsfilm laufen sollte. Ich machte mir aber keine weiteren Gedanken. Als aber zehn Minuten bevor es los ging, ging ich zum Einlass und zeigte mein Ticket vor. Und da fiel mir dann auf, dass ich im falschen Kino war. Oh nein. Auf meinem Ticket Stand Friedrichstadtpalast und nicht der Ort, in welchem ich mich jetzt befand. So schnell ich auch laufen und die S-Bahn bekommen könnte. Ich würde es nicht pünktlich schaffen. Ich versuchte es dennoch. Einen Versuch war es wert. Während ich zur Bahn rannte, versuchte ich zu realisieren, wie das passieren konnte? Die Daten der Berlinale-App stimmten. Aber mit dieser hatte ich doch die Daten in meinen Kalender übertragen?! Dann fiel es mir ein. Ich hatte am Vortag mein Ticket für den Film um 10:00 Uhr zurück gegeben und eins für die nachfolgende Vorstellung bekommen. So hatte ich genügend Zeit zum gemeinsamen Frühstück mit Christian und Jan. Ich änderte folglich die Zeit in meinem Kalender, aber nicht den Ort.
Außer Atem kam ich am Friedrichstadtpalast an. Es war zehn nach halb. Ich wurde abgewiesen. Die Menschen am Einlass kannten kein Erbarmen. Auch weitere Menschen, die vor mir, mit mir und nach mir ankamen, wurden wieder weg geschickt. Ich war sehr traurig und irritiert. Wie oft erlebte ich in den vergangenen Tagen, dass Menschen den Kinosaal betraten, obwohl der Film bereits begonnen hatte. Hier blickte ich nur in versteinerte, finster drein schauende Gesichter, die kein Verständnis zeigten.
Nach einigen Minuten der Desorientiertheit machte ich kehrt und ging zu Dussmann und erstand ein schönes Buch über das Werk von Meret Oppenheimer und einen Polaroid-Kalender. Dann studierte ich mein Programmheft & suchte mir einen Film für Akkreditierte heraus. Die Wahl viel passenderweise auf Nicht mein Tag im Zoopalast.

In Nicht mein Tag von Peter Thorwarth (Sektion German Cinema – LOLA@Berlinale) hat der biedere Bankangestellte Till Reiners mal wieder einen schlechten Tag. Sein Leben ödet ihn an. Auch die Ehe mit seiner Frau Miriam verlor irgendwann in den letzten Jahren allen Esprit und Leidenschaft. Nun kümmert sich abends um den gemeinsamen Sohn, während Miriam mit ihrer Freundin an der Karriere als Handtaschen-Designerinnen pfeilen.
Dem Gelegenheitskriminellen Nappo kommt in die Bank und bittet in einem Kundinnengespräch Till um einen Kredit. Da Nappo allerdings keinerleih Sicherheiten vorweisen kann, gewährt im Till diesen nicht. Daraufhin überfällt dieser die Bank und nimmt Till als Geisel. Während der Flucht lernen sich beide besser kennen und Till fällt auf, was er all die Jahre vermisst hat. Die nächsten 48 wird nun das Leben wild durcheinander gewirbelt und auch Nappo muss entdecken, dass hinter der vermeintlichen Spießerfassade von Till weitaus mehr steckt.
Ein kurzweiliges, aktionreiches und mitunter einigen Witzen Momenten gespicktes Roadmovie.
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Ich fuhr zum Potsdamer Platz. Dort sah ich den Dokumentarfilm Der Anständige der israelischen Filmemacherin Vanessa Lapa.
Auf der Leinwand riesige Schwarzweißbilder – bewegt und unbewegt. Dazu von Sophie Rois, Tobias Moretti und dessen Kinder gelesene Briefe, Tagebucheinträge und Auszüge aus Dokumente. Diese fanden am 06. Mai 1945 Soldaten, die das Haus der Familie Himmler in Gmund am Tegernsee besetzten. Auch private Fotos finden sie. Über Umwege gelangen diese schließlich nach Israel. Vanessa Lappa machte nun diesen erschütternden Film darüber. Nur schwer lässt sich nachvollziehen, was diesen ordnungsliebenden, anständigen & sein Püppi über alles liebender Mann dazu bewegt hat, diese Gräueltaten anzuordnen. Nach und nach wird durch die nachvertonten Filmaufnahmen, einigen privaten Fotos die Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts lebendig. Himmlers Gedanken dazu aus dem Off. Er glaubte an das alle. Er sah die Ermordung von Millionen Jüd
innen, Homosexuellen, Kommunist*innen, Sinti und Roma als Notwendigkeit an, damit das Dt. Reich wieder zu dem werden könne, was es vermeintlich einmal gewesen sein soll. So schreibt er, „Mir geht es bei vieler Arbeit sehr gut,“ während er inmitten von Krieg und Holocaust nach Hause schreibt. Auch seine Familie glaubt fest an ihren Vater, sie wünscht ihm, dass er mehr Anerkennung erfahre und resümiert nach einen Ausflug in das KZ Dachau „Schön ist’s gewesen …“
Es ist ein Film über die Anmaßungen eines Massenmörders und die Verdrängung jeglicher Schuld.
Nachdem der Film vorbei war, bliebt das Publikum atemlos sitzen, nicht fähig, etwas zu sagen. Auch der übliche Filmapplaus setzte erst nach einigem Zögern ein. Der Film ist verstörend aber sehr gut zugleich. Nur so kann die Geschichte aufgearbeitet, verstanden und Schlüsse für die Zukunft gezogen werden.
Anschließend musste ich erst einmal tief durchatmen.
In die Seele kann kein Mensch blicken.

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Nun nahm ich S- &U-Bahn zum International. Dort sah ich Things People Do von Saar Klein.
Eine wunderschöne Familienidylle: die beiden Kinder planschen im Pool hinter dem Einfamilienhaus. Scanlin umarmt seine Frau leidenschaftlich und küsst sie. Anschließend tollen sie gemeinsam mit den Kindern. Das Leben schein perfekt. Doch der Schein trügt. Scanlin wurde gekündigt. Bereits vor zwei Monaten. Auch die Bank sitzt ihm wegen dem Kredit auf das Haus im Nacken. Doch seiner Familie gegenüber offenbart er sich nicht. Es ist eine typische Situation in den USA. Sie trifft Amerikaner*innen immer wieder. Scanlins moralische Weltanschauung bröckelt. Er beginnt Geschäfte und Tankstellen auszurauben. Dabei wählt er seine Opfer genau aus und erteilt diesen mit seiner Tat noch eine Lektion. Endlich ist wieder Geld in der Familienkasse. Doch dieses Spiel geht nicht ewig gut. Gemeinsam mit seiner Frau und seinem neuen Freund, einem Polizisten findet er den Weg raus aus der Spirale.
Saar Klein erzählt in seinem Regiedebüt ein Drama über über den Ist-Stand in den USA. Der Aufstieg kann gelingen, doch wenn der Job wegbricht, kann man sehr schnell, sehr tief fallen. Die Geschichte wurde sehr feinfühlig erzählt. Immer wieder gab es Bilder, die einfach für sich sprechen. Auch die Parallelen zu dem streunenden Hund, den Scanlin beobachtet und mit welchem er sich zeitweise sehr stark identifiziert.

Axel Stein – zweimal an einem Tag. Sah ich ihn heut Mittag in Nicht mein Tag, traf ich nun wieder auf ihn beim Mightnight Movie mit seinem Regiedebüt Tape_13.
Das junge Liebespaar Ann und Gero unternehmen eine Reise durch Europa. Gero hält dabei alles mit seiner Videokamera fest. Sie haben eine Autopanne und werden von Vinzent und Franzi aufgegabelt und zu einem Partywochenende in einem einsamen Haus im Wald eingeladen. Dort treffen sie noch auf zwei weitere Freund*innen. Feucht-fröhlich beginnt das Wochenende, bis Vinzent alle zu einer spielerischen „Geisterbeschwörung“ einlädt. Die Stimmung kippt. Es passieren merkwürdige Dinge: das Licht geht aus, die Sachen sind durchwühlt, es gibt seltsame Geräusche im Wald, an einem Baum sind Spiegelbruchstücke aufgehängt, von denen sich später auch eins auf ihrer Veranda befindet. Während die Mädchen Angst haben, spielen die Jungs, allen voran Gero, die Situation herunter. Wer steckt dahinter? Der seltsame alte Mann aus dem Wald, der die Gruppe zu beobachten scheint? Der überdrehte Vinzent, der scheinbar auch noch Spaß daran hat, die Angst zu schüren? Oder haben sie mit ihrem vermeintlichen Spiel Geister geweckt, die sie nun nicht mehr los werden?
Dieser Film ist der erste deutsche „Found Footage Film“ wie zum Beispiel Blair Witch oder Paranormal Activity. So ist es verziehen, dass einige Dinge noch nicht so perfekt funktionieren und der vermeintliche Dreh mit der Videokamera von Gero nicht immer ganz glaubhaft ist. Ich hab mich dennoch ein wenig gegruselt und zusammen geschreckt. Vorallem, da ich ganz oben außen vor der Tür saß und ich nicht sehen konnte, wer da hinter mir herein oder hinaus ging. 🙂
Am Ende stand das Filmteam für Fragen zur Verfügung.

Zum Glück passierte mir auf meinem Heimweg nichts paranormales, so konnte ich mich schließlich halb zwei in mein Bett legen. Nacht.
In die Seele kann kein Mensch blicken.

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