Leeches & Teetime.

Tea-Time.
Tea-Time.

Eigentlich könnte auch dieses Bild für diesen Tag stehen: regenverhangene Teefelder und dazu eine schöne Tasse Tee im Trockenen. Aber einiges mehr ist schon noch passiert. …

Gegen sechs klingelte der Wecker. Ich hatte gut geschlafen. Das erste Mal angenehme Raumtemperatur ohne AC und Ventilator. Und draußen das leise Prasseln des Regens. Ich stand auf und machte mich bereit für ein neues Abenteuer. Eine verschnupft klingende Beli gab mir zu verstehen, dass ich dieses allein erleben müsse. Sie fühle sich zu krank, als dass sie mit mir kommen könne. Meine Erkältung war am Vortag zu einem gelegentlichen Schnäuzen abgeklungen, sodass ich ich mich gewappnet fühlte für den morgendlichen Naturspaziergang durch des Periyar-Reservat.
Um sieben holte mich der Fahrer vom Tree Top-Hotel ab und brachte mich in den Park.

Leeches & Teetime.

Die letzten Meter legten wir zu Fuß zurück. Dann lieferte er mich an einer Hütte ab, wo einige andere Touris sich gerade braune Bein-Säcke über die Beine zogen. Die dienen als Schutz vor den Leeches – Blutegeln – wurde mir zu verstehen gegeben. Ok, dann schnell an mit denen. Noch irgendwo unterschreiben und dann ging es auch schon los. Allein von zwei Parkführern begleitet. Achja, wir wanderten übrigens mit Regenschirmen – das macht man hier so, denn es regnete mal stärker, mal schwächer. Während unserer dreistündigen Wanderung wurde mir mehrfach versichert, dass es ungewöhnlich viel regnen würde für diese Jahreszeit. Kleine, wiederkehrende Schauer seien zwar normal, doch die Wassermengen, die bereits jetzt herunter kamen, seien schon sehr ordentlich. Und der Monsun würde erst noch kommen – in ein paar Wochen.
Zunächst ging es einen kleine Flusslauf entlang, der während des Monsuns zu einem mächtigen Fluss anwachsen würde. Der würde dann bis an die Wälder links und rechts heran ragen. Pitsch, patsch durch die feuchten Wiesen und meine Schuhe waren durchgeweicht. Aber das angenehme hier – das Wasser war warm. So ließ es sich aushalten. Dann ging es in den Laubwald. Und da sahen wir auch schon eine Dammwildkuh und daneben noch eine. Und da waren sie auch schon weg gesprungen. Als wir näher heran gingen sahen wir auch noch den männlichen Begleiter. Ich versuchte mit – zwischen Schulter und Kopf eingeklemmten Schirm – ein Foto zu machen. Ein wenig verwackelt, aber man kann etwas erkennen. Ich machte noch eins, naja, so richtig gut, sah das bei diesem Regen und den Lichtverhältnissen nicht aus.

Leeches & Teetime.

Außerdem wollte ich auch auch nicht zu lange herum probieren, bis ich die richtige Einstellung für das perfekte Foto finden würde. Und dieser Regen. Ich wollte auch meine Kamera nicht zu lange dem allgegenwärtigen Nass aussetzen. Später waren meine männlichen Begleiter beim Schirmhalten behilflich. Und sie waren mir auch beim Absuchen der kleinen Blutegel behilflich, die da meine Beine empor krabbelten – auf der Suche nach eine passenden Körperstelle zum Saugen. Es war eine Sissyphus-Aufgabe: kaum hatten wir ein paar abgesucht, kamen da auch schon die nächsten entlang geklettert. Und die Biester waren glitschig und hartnäckig – hattest du sie in den Finger und nicht schnell genug weggeschnipst, versuchten sie dort ihr Saugglück. Irgendwann entdeckte ich auch welche, die schon längst den Oberschenkel erklommen hatten. Spätestens da hatte ich das Gefühl, dass sie überall waren. Ahhhh … OK, Kirsten – ganz ruhig. Alles ist gut, nicht ausrutschen oder umkippen, das wäre viel schlimmer – dann wären sie überall!

Leeches & Teetime.

Neben diesen kleinen Bastarden zeigten mir die Ranger noch einiges mehr während dieser Wanderung: so zum Beispiel den Eingang zu einer Stachelschwein-Höhle oder Termitenhügel und einen schwarzen Affen ganz oben im Baum, der uns beobachtete. Sie zeigten mir den Rosewood-Baum und andere Baum- und Pflanzenarten. Wir liefen über eine Mimosenwiese, die grad zauberhaft rosa-farbend blühte und ich sah Fischer im Flusslauf ihre Netze auswerfen. Und an anderer Stelle versuchten Fischreiher ihr Glück.
Zwischendurch überholte uns die andere Wandergruppe. Auch sie hielten immer mal wieder an, um sich diese kleinen Blutsauger abzusuchen. Und dazu der anhaltende Regen. Bald war meine Kleidung – überall dort, wo der Schirm sie nicht abschirmte – nass. Ferkel ließ seine nassen Ohren hängen. Auch meine Kameratasche durchweichte so langsam. Die Kamera hielt ich zwischen den wenigen Aufnahmen schützend unter meiner Jacke.
Nach zwei Stunden und einigen Kilometern machten wir schließlich kehrt und liefen entlang des Flusslaufes zurück. Für ein paar Minuten zeigte sich sogar die Sonne.
Zurück an der Hütte, entledigte ich mich der schützenden Beinsäcke und die Ranger entfernten die letzten Blutegel. Ich verabschiedete mich und dankte für den interessanten Spaziergang – mit weniger Regen hätte es sicher noch mehr Spaß gemacht … und mit noch dichterer Kleidung sicher noch mehr. Kurz bevor ich zum Auto wollte, noch eine Foto. Da juckte es mich am Bein. Da bemerkte ich, dass sich unter meine Strumpfhose ein Egel verschanzt hatte. Oh nein. Schnell auf die Toilette – eine Reihe mit halbhohen Kabinen und Salontüren. Egal, rein da, Hose runter und das Vieh raus gefischt. Und das Blut lief. Nun schnell heim. Ich wollte mich meiner Sachen entledigen, warm duschen und etwas frisches anziehen.

Leeches & Teetime.

Auf dem Hotelzimmer entdeckte ich schließlich, dass sich ein Egel auch in meine Pobacke verbissen hatte. Aber mit Desinfektionsspray und Pflaster wird sich das sicher schnell wieder geben.
Nun noch etwas frisches angezogen und die nassen Sachen im Rucksack verstaut und wir waren bereit für die Abfahrt. Während ich mich umzog erzählte ich Beli von meinem schaurig-lustigen Abenteuer und den Erlebnissen im Dschungel. Sie war dankbar für meinen Bericht und auch dafür, nicht mitgekommen zu sein.
Als uns schließlich gegen 11:30 Uhr unser Fahrer abholte, um uns nach Munnar zu bringen, entdeckten wir auf dem Rücksitz eine große feuchte Stelle mit blutigem Fleck. Wüssten wir es nicht besser, hätte dies auch etwas ganz anderes bedeuten können und wir mussten – ich ein wenig peinlich berührt – lachen.

Leeches & Teetime.

Auf ging es nach Munnar – 3 1/2 Stunden Serpentinefahrt. Beli, angeschlagen von ihrer Erkältung hatte mit der indischen Fahrweise zu kämpfen. Nach einer kurzen Pause und dem Platzwechsel von der Rückbank auf den Beifahrendensitz machte es für sie erträglicher.
Wir fuhren enge Straßen entlang, die gesäumt waren von Trompetenblumen-Sträuchern, kilometerlangen Kardamon-Plantagen und endlosen Teeplantagen, die sich an die Berghänge schmiegten. Und dazu die tiefhängenden Wolken, wenn wir gerade über einen Berghang fuhren und hinab in ein neues Tal blicken konnten. An jeder Ecke ein neues Fotomotiv.

Leeches & Teetime.

Das einzig ärgerliche für mich: meine Kamera hatte den Geist aufgegeben – auf den letzten Metern meines Naturspazierganges. Wie traurig. Ich hoffte, es war nur die viele Feuchtigkeit, die meinen Fotoapparat vorübergehend außer Gefecht gesetzt hatte.
Von oben sahen wir bereits Munnar. Nur noch den Berg hinab und schon waren wir da. Und wir fuhren wieder hinaus. Wohin nur? Einen Berg halb hinauf und dann sahen wir unser Hotel für die nächsten Nächte – es schmiegte sich genau in einen ansteigenden Berg hinein. Nun noch einchecken und dann erst einmal auf Zimmer und entspannen für den Rest des Tages. Das Zimmer hatte sogar einen Balkon – mit Blick ins Tal. Wären da nicht die Regenwolken, die alles zu einer weißen Nebelwand werden ließen.
Wir verbrachten den Nachmittag und Abend mit ausruhen, lesen, Nichtstun, Tee trinken, lesen, quatschen und warten auf Abendessen. Das nicht kam. Prima. Mittag? Brauchten wir nicht! Es gab ja Frühstück. Und zum Glück sind wir hier so weit draußen, dass nichts in der Nähe ist. Die Lösung: je ein Kitkat aus der Minibar. So reichlich, günstig und nahrhaft hatten wir bisher noch nicht zu Abend gegessen. Danke, Room Service. Und als wir uns später an der Rezeption beschwerten, gab es noch ein Abendessen für den morgigen Abend oben drauf.
Und meine Kamera funktioniert auch wieder.
Perfekt.

Nur der Regen hält an und morgen wird hier gestreikt. Es fährt also nichts. Na dann bleiben wir eben auf unserem Zimmer, lesen, quatschen, schlafen, relaxen noch ein wenig länger. Ist auch schön bei diesem Wetter … Und am Nachmittag wieder einen Tee?! Wir werden sehen. Nun erst einmal gute Nacht.

Tea-Time.
Tea-Time.

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5 Comments

  • So, nach intensivem Lesen deiner vielen spannenden Berichte nun doch ein Kommentar…:-) Die Blutegel sind ja wirklich genau die richtigen Hauptdarsteller für ein Abenteuer, dass es in sich hat. Hoffe, die fiesen Bisse entzünden sich nicht noch?! Bleib weiter stark! Liebe Grüße auch den Rest der Crew

  • Ohhh Hilfe, das mit den Blutegeln hätte ich nicht ertragen und dann noch selbst einen abmachen, da reichen mir hier schon die blöden Zecken. Wie hast du denn den am Po entdeckt 😉 ?
    Aber die Fotos sind natürlich toll, trotz Regen und Verwacklungseffekt 😉 was sind denn das für Bäume da unter Ferkels Porträt? Wieder trocken hinter den Ohren Ferkel? 🙂

    • Beim Abmachen der kleinen Vampire waren mir zum Glück die Ranger behilflich. Den am Po entdeckte ich unter der Dusche, als ich mich wunderte, wo das Blut herkam. Der Blutegel war zum Glück da über alle Berge. 🙂
      Welches Baum-Bild meinst du? Diese hohen da zwischen den Teebüchen? Sollen welche aus Dt. sein. Weißt du, wie sie heißen?

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