Mit gemischten Gefühlen unterwegs in Phnom Penh.

Mit gemischten Gefühlen unterwegs in Phnom Penh.
Mit gemischten Gefühlen unterwegs in Phnom Penh.
Mit gemischten Gefühlen unterwegs in Phnom Penh.
Mit gemischten Gefühlen unterwegs in Phnom Penh.

Mit gemischten Gefühlen unterwegs in Phnom Penh.

Achtung, dieser Artikel enthält u.a. Infos & Bilder, die eventuell dein Gemüt verstören könnten.

Der Ausblick aus dem Fenster war das einzig erfreuliche heut morgen. Das notdürftig mit Gaffa zu geklebte Loch an der Decke war doch größer als gedacht. Licht schien durch. Andere dunkle Schimmelflecken enthielten auch Löcher & gaben einen kleinen Blick nach oben frei. Draußen fuhren TukTuks vorbei, Hupen, jemand stand auf dem Balkon, hustete & rotze ganz laut. Es war 6:30 Uhr & ich konnte trotz Ohropax nicht mehr schlafen. Ich las die aktuellsten Infos zur Lage in Bangkok, wo es zum Ende unserer Reise hingehen sollte.
Als Torsten wach wurde, entschieden wir uns nach einigem hin & her, das Hotel zu wechseln. 25,00$ waren uns für solch ein Zimmer dann doch zu teuer. Wir studierten die Reiseführer & machten das Funny Guesthouse aus, packten unsere Sachen & zogen kurzerhand um. Anschließend genossen wir ein nettes Frühstück am Fluss Tonle Sap, der sich hier mit dem Mekong vereint.

Frühstück am Fluss Tonle Sap
Frühstück am Fluss Tonle Sap

Frisch gestärkt ließen wir uns von einem TukTuk zum Völkermordmuseum Toul Sleng bringen. Im vorbei fahren sahen wir zum ersten Mal den Königspalast & die Silberpagode.
Zwischen 1975 & 1979 richteten die roten Khmer in der ehemaligen Toul Svay High School das berüchtigte Gefängnis S-21 ein. Zwischen 13.000 & 20.000 Menschen sind hier gewaltsam umgekommen sein. Vorallem die gebildete Elite wie Ärzt_innen, Lehrer_innen, Verwaltungsangestellte, Militärmitarbeitende, Brillenträger_innen, Belesende wurden brutal gefoltert & umgebracht. Selbst die Kinder & Babies dieser Menschen wurden ermordet, damit diese sich nicht irgendwann für diese Morde rechen würden.

Vier dreistöckige Gebäude stehen auf dem Gelände, die schön anzusehenden Frangipani-Bäume im Innenhof. Doch sie können nicht darüber hinwegtäuschen, was vor knapp 40 Jahren hier seinen Anfang genommen hat.
Wir betraten die ersten Räume des Komplexes A. In den Räumen stand jeweils eine Metallliege, manchmal auch zwei. Eine Box für Ausscheidungen war zu sehen, Fußfesseln & Folterinstrumente. An manchen Wänden ein Foto von den gequälten Menschen. Wir waren sehr geschockt.
Im Innenhof ein Schild auf dem die Verhaltensregeln für dieses Gefängnis notiert waren. Daneben ein ehemaliges Sportinstrument, welches als Folterinstrument missbraucht wurde: die Menschen wurden an den hinten zusammen gebundenen Armen hoch gezogen. In die darunter befindlichen Tonkrüge wurden die Köpfe in dreckiges, stinkendes Wasser getaucht.

Toul Sleng.
Toul Sleng.

Im Block B hingen an den Wänden & Infotafeln tausende Fotos von Opfern. Die Augen der Inhaftierten erzählten uns ihre Geschichte: schauten die einen trotzig, gab es sehr ängstlich schauende Menschen, andere wiederum sahen stolz in die Kamera. Um ihren Hals jeweils eine Nummer. Die rote Khmer fotodokumentierte aber nicht nur dies penibel, manchmal fotografierten sie auch ihre Opfer nach der Folter.

Toul Sleng.
Toul Sleng.

Im nächsten Block wurden im Erdgeschoss die Foltermethoden beschrieben. Der Künstler Van Nath hatte sie in all ihrer Grausamkeit dargestellt. Auch die Folterinstrumente waren ausgestellt. Im letzten Raum einige Überreste der zu Tode gequälten. Die Balkone sind mit Stacheldraht abgesichert. Dieser sollte die Häftlinge an dem Freitot hindern.
In den oberen Stockwerken die Gefängniszellen, die entweder gemauert waren oder aus Holz zusammen gezimmert. In solch einer Zelle zustehen, war sehr beklemmend.

Toul Sleng.
Toul Sleng.

Im nächsten Gebäude die Biografien dieser Menschen. Weitere Fotos der Opfer. Im Stockwerk darüber Biografien einiger Häftlinge. Auch die Geständnisse waren hier nachzulesen.
Im dritten Stockwerk Biografien der überlebenden Anführer_innen der roten Khmer. Teilweise wurden die Gesichter weggeritzt oder übermalt. »Killer« war zu lesen.
Ich war zutiefst gerührt aufgrund dieser Grausamkeit. Torsten & Ferkel ging es ähnlich. Das musste erst einmal sacken.

Toul Sleng.
Toul Sleng.

Wen das Thema interessiert, sei das Buch Die Kinder der Killing Fields. Kambodschas Weg vom Terrorland zum Touristenparadies von Erich Follath empfohlen.

Wir ließen uns zum Königspalast fahren. Noch 20 Minuten bis 14:00 Uhr bis der Palast erneut seine Pforten öffnen würde. Wir nutzten die Zeit, das eben gesehene zu verarbeiten & uns von der äußeren Schönheit des Palastes vereinnahmen zu lassen. Ein vorbei fahrender TukTuk-Fahrer wollte uns in die Irre führen & meinte, da der Platz vor dem Palast abgesperrt sei, wäre der Palast geschlossen. Wir sollten doch lieber mit ihm eine Fahrt durch die Stadt unternehmen. Aber darauf ließen wir uns nicht ein.

Königspalast Phnom Penh.
Königspalast Phnom Penh.

Und wir wurden belohnt. Um 14:00 Uhr öffneten sich die Tore & wir erhielten einen interessanten Einblick in den Palast & die Silberpagode. Das Palastgelände war großzügig angelegt. Überall Grünflächen.
Der Thronsaal, 1919 erbaut, mit seinem siebenfach gestaffelten Dach & & dem viergesichtigen Turm sah beeindruckend aus. Die Kronleuchter funkelten im Licht, die Deckenmalereien stellten Szenen aus dem Reamker (die vereinfachte kambodschanischen Version des Ramayana, welches eines der beiden bedeutenden indischen Epen ist) dar. Die Fliesen stellen Blumenornamente dar, die im daraufliegenden Teppich aufgegriffen werden.
Wir sehen die königliche Schatzkammer, den Tanzpavillion & den Bankettsaal.

Königspalast Phnom Penh.
Königspalast Phnom Penh.

Durch einen Gang kommen wir zur Silberpagode & den darum liegenden Kreuzgang, welcher ein 642 m langes Wandgemälde zeigt. Vier Cedi umgeben die Pagode. Ein Reiterdenkmal steht vor dem Eingang zu dieser. Dieses zeigte früher Napoleon. Der Kopf wurde gegen den von König Norodom ausgetauscht.
Im Innenhof immer wieder formschöne Hecken. Kleine Wasserbecken mit Seerosen.
Wir betreten die Pagode & treten auf silberne Bodenfliesen. Hoch über allem thront ein smaraktgrüner Buddha. Als wir hinter ihm stehen, leuchtet er durch das durchscheinende Licht ganz faszinierend.
Viele kostbare Buddhastatuen stehen links & rechts. Beeindruckend ist auch der lebensgroße Buddha aus massiven Gold, der mit 2086 Diamanten besetzt ist.
Hinter der Pagode ein Model von Ankor Wat.
In der Ostecke birgt ein Pavillon einen Fußabdruck Buddhas. Hier werden aus seltene Palmenblattmanuskripte aufbewahrt.

Königspalast Phnom Penh.
Königspalast Phnom Penh.

Wir verließen die Anlage & finden uns in einer etwas chaotischen Ansammlung von Gebäuden wieder, die eine Ausstellung zur Krönung Sihamomi enthalten, verschiedenes Geschirr, Elefanten-Skulpturen oder Sänften ausstellen. Auch mythische Masken sind hier zu sehen.
Wir verließen das Gebäude & mussten nun erst einmal Kraft tanken. Wir gingen etwas Essen. Das Restaurant Friends fiel uns im Reiseführer sofort ins Auge. Es lag unweit des Nationalmuseums & bildet Straßenkinder im Restaurant- & Catering-Gewerbe aus. Hier ließen wir uns getrocknetes Tomatenhumus auf frittierten Wraps & Khmer-Fisch mit Curry im Bananenblatt. Als Nachtisch ließen wir uns einen leckeren Schokokuchen an einer Kugel Vanilleeis mit likörgetränkten Früchten bringen. Es sah nicht nur alles fantastisch aus, es schmeckte noch viel besser. Dazu blätterten wir in den dazu gehörigen Kochbüchern.

Restaurant Friends in Phnom Penh.
Restaurant Friends in Phnom Penh.

Im Anschluss gingen wir in den Friends-Stuff-Laden & ich erwarb ein paar upgecycelte Sachen.
Dann schlenderten wir über einen Lebensmittelmarkt, auf dem auch einige Haushaltsgegenstände oder Klamotten angeboten wurden. Wir erwarben noch ein wenig frisches Obst, welches wir uns am nächtlichen Sisowath Quay (am Flussufer) schmecken ließen & dabei dem Open-Air Aerobic-Kurs zuschauten.

Lebensmittelmarkt und Aerobic am Abend in Phnom Penh.
Lebensmittelmarkt und Aerobic am Abend in Phnom Penh.

Im Wat Ounslom war eine Feier einem alten Mönch zu ehren. Wir schauten ein wenig zu & gingen dann zu einem Straßenimbiss, wo sich Torsten neben vielen Khmer noch ein leckeres Reisgericht schmecken lies.
Von den Seeing Hands ließen wir uns schließlich noch eine Massage geben. Dieses Projekt unterstützt blinde Menschen, die hier als Masseur_innen ihr Geld verdienen.
Nach diesem erlebnisreichen Tag traten wir im Anschluss den Heimweg an & ließen uns angereichert mit diesen vielen Erlebnissen ins Bett fallen.

Nachts in Phnom Penh.
Nachts in Phnom Penh.

Hier noch mehr Fotos von unserem ersten Tag in Phnom Penh:

(klick dich einfach durch die Galerie)

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Geschützt: Macbeth. Die sechste Woche (Sprech-)Proben.

Es gibt keine Kurzfassung, da dies ein geschützter Beitrag ist.
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2 Comments

  • Das war schon eine sehr schlimme Zeit damals, die ganze Wahrheit und Tragweite ist ja erst nach dem Einmarsch der Vietnamesen an die Öffentlichkeit gekommen. Aber wenn man sieht was auch heute noch in Syrien möglich ist haben die Menschen noch nicht sehr viel daraus gelernt. In ganz Kambodscha war die Zahl der Opfer der roten Khmer aber noch viel höher.
    Jetzt freut Euch aber erst mal auf die schönen Seiten des Landes und auf den Höhenpunkt – Angkor Vat.
    Wir warten schon gespannt auf die nächsten Berichte.
    M & P

    • Jep, über 3. Mio von 8 Mio. Einwohner_innen sind damals umgekommen. Heute waren wir in den Killing Fields, das war auch sehr bewegend. Später im Bericht dazu mehr. Sind eben (hier ist es 22:31) mehr. 😉

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