Reise spontan geplant.

Vermessung Indiens. Indien-Karte in Schule, Todgarth.
Vermessung Indiens. Indien-Karte in Schule, Todgarth. 60x50 C-Print, matt

Spontan verreisen oder lieber von langer Hand geplant?! Beides hat Vor- und Nachteile.
Wie ich am liebsten reise und was daraus für dich mitnehmen kannst, verrate ich dir in diesem Beitrag. Warum das geplante Reisen nicht notwendiger Weise Spontanität ausschließt oder warum gerade das Reisen mit anderen eine gewisse Flexibilität voraus setzt, erfährst du außerdem.

Rückblick auf den September 2014: Der Urlaub war seit Anfang des Jahres eingereicht und wir hatten bereits Anfang des Jahres überlegt, mit unserem VW-Bus Hilde nach Kroatien zu reisen. Doch dem Lebensgefährten vom Torstens Mama ging mittlerweile gesundheitlich sehr schlecht. Sollten wir nun hier bleiben, oder reisen, um ein wenig Abstand vom Job zu bekommen? Wir entschieden uns für letztes, auch weil wir gerade vor Ort nichts hätten ausrichten können. Doch wir hoben kurzerhand unser geplantes Reiseziel auf, breiteten die Deutschlandkarte auf dem Fußboden aus und ließen unseren treuen Reisegefährten Ferkel mit einem Sprung auf die Karte entscheiden, wo es hingehen sollte: es wurde der Ruhrpott und einer der schönsten und entspanntesten Urlaube seit langem.

Manchmal sollte man einfach mal spontanen, verrückten Ideen nachgeben, um das Leben zu bereichern.
[Margit Strott-Heinrich]

Warum? Weil wir einfach unsere Sachen gepackt haben und los gefahren sind. Zuerst zum Baldeneysee nach Essen, dann einen Abstecher nach Köln zur photokina, weiter nach Duisburg und zum Schluss noch zum Fußball in Dortmund. Und zwischendurch immer Zechen.
Wir haben uns kurz vor der Fahrt und auch während der Reise angeschaut, was uns interessiert und haben es dann einfach gemacht oder es bleiben lassen. Mal unternahmen wir eine Fahrt um den See und ein anderes Mal blieb ich am See sitzen und werkelte kreativ, während Torsten eine lange Runde joggen ging. Jeder fand seinihr richtiges Maß an Entspannung, Kultur und Abenteuer.

Spontanität auf Reisen hat also etwas sehr Gutes an sich: Flexibilität und das reagieren auf persönliche Bedürfnisse der Mitreisenden.

Zeche Zollverein. Essen.
Zeche Zollverein. Essen.

Wie spontan wären wir,
wenn wir Spontanität planen könnten?
[Walter Ludin (*1945), Schweizer Journalist, Redakteur, Aphoristiker und Buchautor]

Aber nicht, dass du jetzt denkst, dass ich bzw. wir immer so reisen. Gerade, wenn wir weitere Ziele ansteuern, die vor allem mit Flügen zu tun haben, ist eine gewisse Vorausplanung wichtig. Denn nichts ist ärgerlicher, wenn man den Flug verpasst, weil man sich bei den Reisezeiten vor Ort bei einer Rundreise  verschätzt. Oder der Flug ist überteuert, weil man ihn zu spät bucht. Es macht ja auch Spaß, sich über das Urlaubsziel zu belesen und Pläne zu schmieden, z.B. was man sich alles vor Ort anschauen möchte.
So habe ich jeweils mit meiner Reisebegleitung die Reisen nach Indien oder die Rundreise durch Laos und Kambodscha die Flüge gebucht und für Indien noch einen Fahrer dazu.

Dennoch ließen wir immer auch Platz für Spontanes. So planten wir beispielsweise für unseren Trip durch Laos und Kambodscha bewusst mehr Zeit an bestimmten Orten ein. Dadurch konnten wir vor Ort entscheiden, was wir uns genau anschauen wollten oder ob wir vielleicht auch mal einen Tag faul in der Hängematte herum liegen wollen. (Nagut, haben wir dann doch nicht gemacht und sind lieber mit dem Rad über die Insel gecruist.) Und manchmal ist vielleicht weniger auch mehr: daher entschieden wir uns, einen Tag länger Angkor zu besichtigen – und einmal mit dem Rad vorbei an den Tempeln und Palästen –, dafür auf den Tonle sap zu verzichten.
Manchmal buchen wir bei solchen Trips die erste Unterkunft im voraus und finden die anderen Unterkünfte dann vor Ort. Das führt dann manchmal dazu, dass wir dann im Dunkeln, mit unseren Rucksäcken auf dem Rücken, noch nach einer passenden Übernachtung suchen, aber bisher mussten wir auch noch nie auf einer Parkbank übernachten.

Nächtliche Ankunft auf der Insel Don Khon, Laos.
Nächtliche Ankunft auf der Insel Don Khon, Laos.

Als ich mit Beli 2014 in Kerala/Indien war, haben wir sogar mal vorab die ganze Route, Aktivitäten und Hotelübernachtungen bei einem indischen Reiseanbieter gebucht. Das Gute hieran war, dass wir uns vor Ort um nichts mehr kümmern mussten und uns einfach nur noch ins Auto setzten und uns von Kerala begeistern ließen. Wir verhandelten im Vorfeld über Preise und Inhalte, sprachen über Details der Reise, verwarfen Vorschläge vom Anbieter, nahmen dafür etwas anderes auf und konnten uns dann im Land selbst entspannt darauf einlassen. Das bedeutet dann aber im Vorfeld eine gewisse Vorbereitung: man muss sich mit dem Reiseziel und den Sehenswürdigkeiten, die man besichtigen möchte, auseinander setzen.
Das Gute war aber auch an dieser Vorbereitung: dass wir immer wieder auch Zeiten für Spontanes und Entspannung eingeplant hatten: ein Spaziergang in den nebelverhangenen Teebergen Munnars oder am Strand.
Wenn wir vielleicht jetzt noch einmal nach Kerala reisen würden, würden wir vielleicht einiges etwas anderes bzw. weniger planen, um so vielleicht vor Ort etwas spontaner auf Unvorhergesehenes (wie z.B. die üblichen Reisekrankheiten wie Erkältung, Durchfall) reagieren zu können. Andererseits hatte ich in Indien oft das Gefühl, wenn man nicht gerade in einer (Groß-)Stadt ist, abhängig vom Fahrer zu sein. Bzw. stellte dieser Mensch für mich vor Ort auch immer eine gewisse Sicherheit und Orientierung dar.
Daher: auf diesen würde ich in Indien nicht verzichten wollen. Aber wer weiß. …

Das bedeutet, dass eine gewisse Vorab-Planung und spontanen Entscheidungen vor Ort kein Widerspruch für mich sind. Die Planung und Reisevorbereitung bringt für mich die gewisse Sicherheit mit. Dennoch ist die Planung bei mir nie so eng, dass da nicht auch Platz für Veränderungen und Reaktionen auf Unvorhergesehenes ist. Somit ist immer Genug Platz für Spontanität und kreatives Agieren und Reagieren da. Außerdem steigert die Reiseplanung bei mir die Vorfreude auf die Reise selbst. 

Albert. Unterwegs im Ambassador.
Albert. Unterwegs im Ambassador.

Spontanität sollte man nie dem Zufall überlassen. 
[Stefan Schütz (*1964)]

Wenn ich mit mehreren Menschen reise, also nicht allein oder zu zweit, bemerke ich ich, dass es gerade da wichtig ist, eine gewisse Reiseplanung vorzunehmen. So buche ich im beruflichen Kontext mit meinem Team für eine Seminarfahrt mit 60-70 Teilnehmenden immer eine Unterkunft, erkundigen uns bereits im Vorfeld über die Öffnungszeiten bestimmter Museen und fragen nach, ob man diese auch mit größeren Gruppen besichtigen kann. Wir vereinbaren bereits im Vorfeld Termine mit einen Akteur*innen vor Ort (Stadtführung, oder ähnliches) und recherchieren mögliche Konzerte, etc. Dies bringt für uns eine gewisse Sicherheit und auch für die Menschen, die mit uns reisen, eine grobe Struktur.
Dennoch lassen wir auch hier immer wieder Platz für Spontanes. Wir suchen zwar Angebote zur Abendveranstaltung heraus, überlassen es aber den Teilnehmenden vor Ort, was sie besuchen wollen oder bilden vor Ort erst Interessengruppen für eine Museumsbesichtigung. Damit fahren wir sehr gut und bekommen von den Jugendlichen zurück gemeldet, dass sie diese Organisation zu schätzen wissen. So wurden unsere Kulturhauptstadt-Reisen nach Lille und Plzen ein voller voller Erfolg für alle Beteiligten.

Mit strahlendem Sonnenschein belohnte uns die Kulturhauptstadt Plzeň 2015 auch an unserem letzten Tag. Wir bedankten uns dafür & für die großartige Woche hier mit einer Kulturaktion voller Musik, Flugblättern, Fotografie, Performance und einigen neuen Geocaches! Danke Pilsen - wir nehmen dich mit nach Magdeburg! Den grandiosen Abschluss bildete die DEPO2015 Restart-Vernissage. #fsjplzen2015 #plzen2015 #depo2015 @plzen2015
Mit strahlendem Sonnenschein belohnte uns die Kulturhauptstadt Plzeň 2015 auch an unserem letzten Tag der Fahrt. Wir bedankten uns dafür & für die großartige Woche hier mit einer Kulturaktion voller Musik, Flugblättern, Fotografie, Performance und einigen neuen Geocaches! Danke Pilsen – wir nehmen dich mit nach Magdeburg! Den grandiosen Abschluss bildete die DEPO2015 Restart-Vernissage.

Aber es geht (gerade bei kleinen Reisgruppen) auch anders. Als wir meinem Papa zum 60. eine Reise nach Lissabon schenkten, organisierten mein Bruder und ich im Vorfeld – nach Absprache – nur den Flug und die Übernachtung. Vor Ort ließen wir uns dann einfach treiben. Thomas und Torsten gingen morgens Joggen, während mein Papa die Brötchen holte. Ich hatte Zeit zum Fotografieren und Filmen und mit Mama suchte ich gemeinsam das Haus von der Romanfigur aus »Nachtzug nach Lissabon«. Mein Papa selbst hatte nur eine Liste mit den 10 wichtiges Orten/Dingen, die man unbedingt in Lissabon erlebt haben soll, dabei und am Ende des Wochenendtrips konnte er alle abhaken. Und das ganz ohne vorherige Planung, sondern allein dadurch, dass wir uns auf die Stadt und aufeinander einließen.

Spontanität funktioniert also auch bei größeren Gruppen und bei einer guten Vorausplanung. Wichtig ist auch hier, bereits bei der Reiseplanung  ausreichend Platz für Freiräume einzuplanen. Außerdem ist es wichtig, offen für die Bedürfnisse der Anderen zu sein, gerade wenn man nicht schon einige Male zusammen verreist ist. Außerdem ist hier wichtig, sich gegenseitig Luft zu lassen, denn was für den eigen gut funktioniert, kann für den anderen zu anstrengend sein. 

Panteão Nacional | National Pantheon.
Panteão Nacional | National Pantheon. | Lissabon.

Und wie ist das mit Wochenendtrips? Tja, da ist bei mir ein ganz eigenes Thema. Bei manchen, wie bei der Reise nach Lissabon, nach SPO oder der Besuch der Moritzburg haben wir uns bereits einige Monate im Vorfeld auf den Termin geeinigt, damit da nichts spontan dazwischen geschoben werden kann und manchmal setzen wir uns einfach in die Hilde und düsen an einen netten See zum Baden. Aber wenn wir hier etwas im Vorfeld planen, sind es meist nur ein oder zwei Programmpunkte und alles ist dann spontan. Denn gerade die Wochenenden sind zwischen zwei Arbeitswochen vor allem dazu da: zum Entspannen, Abschalten und den Kopf frei kriegen.

Dies ist übrigens ein Beitrag zur Blogparade von Jolly & Luke, die demnächst ein ganzes E-Book zum Thema #Spontanreisen herausbringen wollen. Ich bin gespannt!

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Wie verreist du am liebsten: lieber spontan, oder bist du eher der Sicherheitstyp, der bereits vor der Abreise weiß, was am 4. Tag der Reise passiert?
Erzähl mir doch davon in den Kommentaren! Vielen Dank.

 

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Ich danke dir!

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5 Comments

  • Die Art zu Reisen ist so vielfältig wie das Reisen selbst 🙂 … Es ist so wie du schreibst, da gibt es kein Entweder-Oder beim Spontanreisen. Einmal ist es besser zu planen, ein andermal hat man einfach Lust drauf und düst los. Spontan geht halt besser, wenn man sich in einer Gegend, oder einem Land bereits auskennt, die Gepflogenheiten und die Kultur kennt.
    Wenn man zum ersten Mal in ein fremdes Land, vor allem mit einer komplett anderen Kultur, reist, dann gehört es für mich auf jeden Fall dazu, dass ich mich vorab informiere. Ich würde mich unwohl fühlen, komplett unvorbereitet in der Fremde anzukommen.
    Wenn ich aber ein Land schon gut kenne – ich reise heuer zum Beispiel zum 5ten Mal nach Thailand – dann plane ich nichts mehr 🙂 … Da wird dann spontan entschieden und das machts spannend! 🙂

    Freue mich auf noch viele Reiseberichte von dir 🙂 Finds toll was du alles erlebst! Danke fürs Teilhaben lassen!

    • Liebe Nela, lieben Dank für deinen Kommentar. Du hast so recht mit deiner Aussage zum Kennen der Orte/Kulturkreise die man bereist. Als wir jetzt das erste Mal auf Hiddensee waren (das davor Ankern zähle ich jetzt mal nicht mit), haben wir uns auch vor Ort schlau gemacht, was man hier so alles erleben kann, da wir uns mit den Gepflogenheiten Deutschlands ganz gut auskennen. hehe … auch als ich das zweite Mal nach Indien gereist bin, war ich schon viel entspannter als auf meiner ersten Tour. Vielleicht wäre ich sonst auch nicht allein mit zwei indischen Männern in den Dschungel zu einer zweistündigen Wanderung aufgebrochen.
      Coool, das 5. Mal nach Thailand. Wow, da muss ich auch mal wieder hin. Gerade der Norden und die Inseln reizen mich sehr. Ich denke, wenn ich das dritte oder vierte Mal dort hin reisen würde, wäre mein Reisestil auch eher spontaner. Sonst fehlen ja irgendwann die Überraschungen. 🙂

      … und danke für dein tolles Feedback zu meinem Blog. Das geht runter wie Öl. Hab noch einen feinen Sonntag.
      Liebe Grüße Kirsten

  • Ein sehr schöner Beitrag, Kirsten!

    Danke! Super ausführlich gibt er mir einen tollen Einblick in deine Art zu reisen! Ich bin sehr gespannt, was du zu meinem eBook sagen wirst! 🙂

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!
    Jolly

    • Danke dir liebe Jolly für dein Feedback zum Beitrag. Ja, ich bin schon sehr gespannt auf dein eBook zum Thema.

      Dir auch ein schönes Wochenende.

      (… und jetzt hab ich auch noch dein cooles Banner eingebaut.).

      Liebe Grüße Kirsten

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