Sonntagsfilm.

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Es ist Februar & endlich wieder Berlinale. Wie bereits im vorangegangenen Jahr habe ich mich wieder fürs Filme schauen akkreditieren lassen.
Und nun bin ich vor Ort. Ein wenig später als gewünscht, aber manche Termine lassen sich eben nicht verschieben.
Um elf kam ich am Potsdamer Platz an & holte meinen Akkreditierumgsausweis ab & ergatterte noch Tickets für N – The Madness of Reason und Blind. Auf Letzteren darf ich mich morgen Abend freuen, den anderen schaute ich heut kurz vor zwei.
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N, was meint dieser Letter? Natur, Nation, die Mitte des Alphabet.
Der Regisseur Peter Krüger schuf einen fiktiven Dokumentarfilm über den Franzosen Raymond Borremans (1906–1988), der als junger Mensch nach Westafrika ging. Er wollte weg aus Europa & begab sich auf eine lebenslange Suche & Entdeckungsreise. Mit sehr kunstvollen, poetischen Bildern sowie der Erzählstimme aus dem Off spürt der fiktive Geist Borrmans seiner Biografie, & den Spuren die er nach seinem Tod hinterließ, auf.
Er war Musiker, Schmetterlingsforscher, betrieb ein mobiles Kino & verfasste eine Enzyklopädie zur Elfenbeinküste. Zu Lebzeiten erschien nur Teil I.
In den Aufnahmen aus 2009 & 2011 spürt der Regisseur Borremans‘ Geist nach, Menschen die ihn kannten erinnern sich & stellen einen Bezug zum hier und jetzt her: Krieg, Soldaten, afrikanische Gegenwart, das Archiv seiner Schmetterlinge, die Veröffentlichung des zweiten Teils der Enzyklopädie.
Die Bilder, die Landschaft, die Menschen & die Zwiesprache – sie sind klar und liebevoll gezeichnet, ohne dabei das vorgefundene zu beschönigen. Gelungen ist eine sehr literarisch & ästhetisch Hommage an den Afrika-Liebenden Borrmans und dabei die das hier und jetzt nicht aus den Augen verliert.
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Mit Babette traf ich mich zum Nschmittagstee & Kuchen in einem netten Café in der Revaler Straße. Wir plauschten über den Urlaub und studierten das Berlinale-Programmheft. Gemeinsam strichen wir ein paar Filme an, die wir sehen wollten & wofür ich in den nächsten Tagen noch ein paar Karten ergattern möchte.

Sonntagsfilm.
Sonntagsfilm.

Kurz nach sechs setzte ich mich in die S-Bahn Richtung Zoologischen Garten. Kurz vor Sieben ging ich durch die Türen schönen, alten Delphic, um mir zwei Filme anzusehen.
Der erste Film hieß She’s Lost Control und ist das Regiedebüt von Anja Marquardt.
Ronah arbeitet als Surrogatpartnerin – eine Sexualbergleiterin im therapeutischen Kontext und bringt gehemmten Männern bei, wie es ist, Körperkontakt mit einer Frau zu haben. Dies beginnt beim Reden, über den ersten Kontakt der Hände und endet beim Geschlechtsakt. Ronah gefällt ihr Job & sie jongliert spielerisch ihren Arbeitsalltag mit den Männern, die sie betreut. In ihrem privaten Umfeld schlägt sie sich mit einem Wasserschaden herum, recherchiert für ihre Masterarbeit, verdrängt die Probleme die Hilferufe ihres Bruders. Immer wieder Häuserfluchten Manhattans, beengende Flure und das Hotelzimmer, auf dem sie sich mit ihrem neusten Klienten, dem autoaggressiven Johnny trifft. Irgendwo in diesem Gemenge verliert Ronah die Kontrolle über sich, verliebt sich gar in ihren Patienten.
Die Regisseurin ist nach an den Charakteren dran, ohne voyeuristisch zu sein. Sie deckt auf, fühlt nach und erzählt so in bräunlichen Farben ein komplexes Beziehungsgeflecht inmitten des kühlen, einsamen New Yorks.
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Nach dem Film konnten an das Filmteam noch einige Fragen gestellt werden und dann ging es für mich hinten raus aus dem Vorführraum & auf der anderen Seite wieder hinein für den nächsten Film.
Der Film DMD KIU LIDT von Georg Tiller erzählt die Geschichte zu dem gleichnamigen Song. Die Band Ja, Panik um den Sänger Andreas Spechtl ist unterwegs, schweigt sich an, philosophiert, steht im Proberaum, hinterfragt, ist kontrovers, und spürt so dem Satz Die Manifestation des Kapitalismus in unserem Leben ist die Traurigkeit, kurz DMD KIU LIDT nach. Aber nicht nur dem Song gilt der Film. Auch der Ausstieg eines Bandmitglieds von Ja, Panik wird bearbeitet. In einem Autogespräch sieht Christiane Rösinger, die die Band seit einigen Jahren kennt & mit ihnen gut befreundet ist „Ein großes Vergeblichkeitspotential“ spürt dem Reisen & dem Heimweh nach, während auf der Autoscheibe die Bäume vorbei ziehen.
Der Film ist in Schwarz-weiß gedreht, Georg Tiller benutzt lange Kameraeinstellungen auf rauchende Bandmitglieder, Sommerwind im Blätterdach oder einige leerstehende Räume Dazu kommen die kleinen, sparsam gesetzten Unterhaltungen und der Antimusikfilm ist perfekt. Es gibt nur einen Song – DMD KIU LIDT – der zum Abspann des Films läuft.
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