Verborgenen. Ausbrechen. Aufzeigen. Leben.

Berlinale 2014.

Verborgenen. Ausbrechen. Aufzeigen. Leben.

Heute morgen mal wieder ein wenig Schlage stehen am Akkreditierung-Schalter. Dafür bekam ich vier Tickets.
Dann fuhr ich zum Zoopalast. Dort lief für Akkreditierte der Film Freier Fall, ein deutscher Wettbewerb von Stephan Lacant aus dem vergangenen Jahr.
Marc arbeitet bei der Bereitschaftspolizei, seine Eltern haben ihm gerade eine Doppelhaushälfte gekauft und seine Freundin ist schwanger. Alles verläuft nach Plan. Dann lernt er Kay bei einer Fortbildung kennen. Sie gehen zusammen Laufen. Kay ist anders als die anderen. Kay küsst ihn. Nach erster Irritation erwidert Marc die Küsse. Es ist nur ein kurzer Moment, daheim kann er ganz der alte sein. Dann wird Kay in Marcs Abteilung versetzt. Plötzlich befindet sich Marc in einem Gefühlschaos wieder: auf der einen Seite ist da seine Freundin, die ein Kind von ihm erwartet und auf der anderen Seite ist Kay und Marcs aufkeimenden Gefühle für ihn. Sein bisher somit durchstrukturiertes Leben gerät immer mehr ins Chaos. Egal, welche Entscheidungen er auch trifft, er wird jemanden verletzten. Der Freie Fall in ein offenes Ende.
Der Film begeisterte mich, die Kamera war sehr dicht an den Personen dran & die Geschichte war intensiv. Die darüber hinaus angesprochene Tabuisierung der Homosexualität wurde gut aufgearbeitet. Und nicht zu Unrecht sagte Knut Elstermann im vergangenen Jahr: »Das schönste Paar der Berlinale.« Der im Anschluss anwesende Regisseur und seine beiden Hauptdarsteller wurden verdient vom anwesenden Publikum bejubelt.

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Berlinale 2014.

Im Anschluss fuhr ich ins International. Dort lief der Film Fieber und vorab der Kurzfilm Mario Wirz von Rosa von Praunheim. In einem kurzen & sehr dichten Interviewspaziergang spricht Year Dichter sehr poetisch mit seinem Freund Rosa von Praunheim über Tod, innere Kraft und Liebe. »Lass uns leben!«

Berlinale 2014.

In Fieber wächst Franzi mit ihrem Bruder in einem verstörten Elternhaus auf, welches vom fieber- & nervenkranken Vater dominiert wird. Sein Leben wird von den Erlebnissen bei der französischen Fremdenlegion in Marokko, Algerien & Syrien bestimmt. Er hat unzählige verstörend-schöne Fotos und einige (Märchen-)Bücher aus dieser Zeit mitgebracht. Je mehr Franzi in diese Welt eintaucht, desto mehr vermischen sich Realität, Schönheit, Krieg, Fantasie und Alptraum miteinander. Auch heute lassen diese Erinnerungen die bereits erwachsen gewordene Franziska nicht mehr los. Sie begibt sich auf eine Reise zurück in die Kindheit des Vaters. Eine Unternehmung, die nicht nur positiv behaftet ist.

Vorallem die Rückblendungen in Franzis Kindheit fand ich sehr spannend und warf immer wieder neue Fragen auf. Die ältere Franziska hatte in meinen Augen nicht genügend Raum, sich zu entfalten. Zu stark war ihre Persönlichkeit von Erinnerungen geprägt. Dennoch lies mich der Film nicht unbeeindruckt aus dem Kino gehen.
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Berlinale 2014.

Zurück am Potsdamer Platz sah ich mir den Dokumentarfilm Through A Lens Darkly: Black Photographers and the Emergence of a People von Thomas Allen Harris an. Es ist ein Porträt über die Geschichte der Fotografie aus afroamerikanischer Sicht kombiniert mit Interviews mit vornehmlich afroamerikanischen Fotografinnen & Historikerinnen. Als Ausgangspunkt für Harris ist der Fakt, dass es Geschichtsbüchern keine/kaum Fotos von & mit People of Color gezeigt werden. Er begab sich zurück zu den Anfängen der Fotografie. Verbindet sie mit seiner eigenen (fotografischen) Vergangenheit und der seiner Familie. Es werden Fotografien von Sammler*innen gezeigt und diese werden mit aktuellen Fotoserien in Verbindung gebracht.
Ein interessanter Einblick in die Fotografie der Black Community in den USA.
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Berlinale 2014.

Dann musste ich mich sputen. Aloft lief im Haus der Berliner Festspiele.
Die Regisseurin Claudia Llosa gewann 2009 den goldenen Bären für das Drama La teta asustada. In ihrem aktuellen Werk reist Ivan mit seinem Falken und einer jungen Journalistin über schneebedecktes Eis. Sie sind auf dem Weg zu seiner Mutter, welche die Dokumentarfilmerin interviewen möchte. Er hat sie seit seiner Jugend nicht mehr gesehen. In Rückblenden lernen wir Ivan Mutter Nana und seinen kleinen Bruder Gully. Gully ist vier und ist schwer krank. Die Ärzte sind machtlos. Nanas Aufmerksamkeit gehört vor allem Gully und möglichen – alternativen – Heilungsmöglichkeiten. Sie instruiert Ivan besonders auf seinen Bruder acht zu geben. Doch er ist trotzig in seiner eigenen Welt gefangen. Sie sucht mit ihren Kindern einen Heiler auf und erfährt durch diesen, dass sie selbst heilende Fähigkeiten besitzt. Ein tragischer Unfall reist die Familie auseinander. Ein aufeinander zubewegen schein ausgeschlossen, bis zu dem Moment als Ivan am Ende des zugefrorenen Sees seine Mutter wieder trifft.
Die Bildsprache des Films ist zart, lässt Landschaft und Figuren Raum, sich zu entfalten. Der Film erklärt, urteilt und belehrt nicht. Er lässt mich eintauchen in eine vollkommen andere Welt. Auftauchende Fragen beantworten sich irgendwann von selbst. Und falls nicht, dann finde ich als Betrachterin meine eigenen oder lasse sie unbeantwortet, da es im Leben einfach Dinge und Personen gibt, die sich nicht erklären lassen bzw. wollen. Und das ist auch gut so.
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Berlinale 2014.

Vom Haus der Berliner Festspiele ging es zurück an den Potsdamer Platz und ins Cinestar zu Fucking different XXY. Hier traf ich Amanda, die mit einer Freundin auch in diesen Film ging.
Entgegen den letzten fünf Teile, in den schwule und lesbische Regisseurinnen zu Wort kommen, erzählen im sechsten Teil der Reihe sieben transidentische FilmemacherInnen Geschichten. In Fucking different XXY werden die klassischen Binaritäten der klassischen Genderidentitäten aufgelöst. Dies gelingt durch Porträts, experimentellen Kurzfilmen und kleinen Dokumentationen. Gängige Klischees, die auch in der schwul-lesbischen Community vorherrschen, werden so aufgebrochen. Und vielleicht lösen sich diese auch irgendwann ganz auf. Nicht umsonst ist das Motto des Films: Brecht Stereotype, stiftet Verwirrung und feiert die Vielfalt!

Nun ging es für mich heim zu Babette und ins Bett. Nacht.

Berlinale 2014.

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