Von Biestern, Elefanten und fernen Ländern.

Berlinale 2014.

Von Biestern, Elefanten und fernen Ländern.
Ausschlafen. Gemeinsames Frühstück mit Babette. Dann ging es wieder los. Ich fuhr gegen Mittag zum Friedrichstadtpalast (ja dieses Mal hab ich alle Orte vorher noch einmal abgecheckt). 🙂 Eine verzaubert-kitschige Märchenwelt erwartete mich dort. Genau das Richtige für einen Start in den Samstag.
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Die Verfilmung La belle et la bête | Die Schöne und das Biest von Christophe Gans ist die jüngste des weltberühmten Klassikers.
Die Flotte des wohlhabenden Händlers erleidet Schiffbruch. Dies treibt ihn und seine Kinder (drei Töchter und drei Söhne) in den Ruin. Fortan leben sie in ärmlichen Verhältnissen in einem kleinen Haus auf dem Land. Während sich niemand so richtig mit dieser Situation arrangieren kann, ist es Belle, die jüngste Tochter, die Gefallen an dem neuen Heim hat. Da schlägt das Schicksal erneut zu. Der Vater bricht in einem verwunschenem Schlossgarten eine Rose für seine Jüngste ab und wird von einem Ungeheuer, der Besitzer des Schlosses zum Tode verurteilt. Er darf seine Familie noch ein einziges Mal wiedersehen und sich von dieser verabschieden. Doch anstatt des Vaters begibt sich Belle in das Schloss und versucht dem Geheimnis des Ungeheuers auf die Spur zu kommen. Dieses wiederum ist angetan von der Schönheit, Entschlossenheit, Intelligenz und Humor des Mädchens. Während ihres Aufenthaltes wird Belle in den Nächten von Träumen heimgesucht, die nach und nach Licht in die Vergangenheit des Biestes und des Schlosses bringen.
Die Geschichte ist bekannt und doch immer wieder schön. Ich liebe Märchen und diese Verfilmung war mit ihrem Kitsch, den schönen Kleidern und dem Glitzer ein schöner Start in den Samstag. Die Darstellenden haben gut gespielt. Und der ein oder andere Schmunzler bei besonders kitschigen Bildern war auch dabei. Für mich hätten die verzauberten Hunde nicht solle riesigen Augen haben müssen, aber ich glaube, da stehen die Kinder derzeit drauf.
[youtube http://www.youtube.com/watch?v=fNZHPFLYr2Q&w=640&h=360] Von Biestern, Elefanten und fernen Ländern.
Mein nächster Film war To Singapore, with Love von Tan Pin Pin am Potsdamer Platz. Die Regisseurin porträtierte verschiedene Personen, die vor 50 oder 35 Jahren das Land verlassen mussten und bis heute im Exil leben, bis ihre Angehörigen ihre Asche wieder mit in die Heimat nehmen dürfen. Diese leben heute in London, Thailand oder Malaysia und berichten verträumt, analytisch, mit geschärften Blick von ihrer Heimat Singapore, warum sie damals fliehen mussten, wie sie den Kontakt zur Stadt halten und wie ihr Blick heute auf diese Metropole ist. Es ist ein Film über Utopistinnen und Kämpferinnen-Naturen, die ein ganz neuen Blick auf diese Weltstadt geben.
Hier die Filmausschnitte ansehen: http://www.critic.de/film/to-singapore-with-love-6437/trailer/
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Ich wechselte den Ort und fuhr vom Portsdamer Platz zum Haus der Berliner Festspiele. Hier ging es schließlich humorvoll in den Abend mit dem Hundraåringen som klev ut genom fönstret och försvann | Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand vom Regisseur Felix Herngren.
Allan Karlssons Lieblingsbeschäftigung war bereits in frühen Kindheitstagen das herum experimentieren mit Sprengstoff. Alles was im in die Quere kam, sprengte er erfolgreich in die Luft. Dies brachte ihm schließlich den Besuch einer Nervenheilanstalt ein. Später wurde er durch einen Zufall Widerstandskämpfer gegen Franco und rette diesem schließlich das Leben. Er gab den entscheidenden Tipp zur Entwicklung der Atombombe und arbeitete als Doppelagent für die Russen und die Amerikaner. Heute feiert er seinen 100. Geburtstag und steigt mit seinem Pantoffeln an den Füßen aus dem Fenster des Altersheim. Er nimmt den Bus in einen kleinen Ort. Dabei hat er einen Koffer mit sehr viel Geld. Dieser wurde geriet durch Zufall in seine Hände. Er schließt auf seiner Weiterreise Freundschaften, trifft auf Kriminelle und auf die Elefantendame Sonja. Mit seiner neu gefundenen Reisegruppe erlebt er nun ein ganz besonderes Abenteuer.
Das Buch von Jonas Jonasson war ein Erfolg und stand monatelang auf den Spiegel-Bestseller-Listen, nun kommt der Film in die Kinos. Über das Buch kann ich noch keine Aussage treffen, aber ich hörte von vielen, dass es eine grandiose Geschichte sein soll. Der Film war sehr kurzweilig und keine Sekunde langweilig. Immer wieder schlitterte die Hauptfigur in ein neues Abenteuer quer durch ein Jahrhundert Zeitgeschichte. Ich fühlte mich gut unterhalten und das Publikum verließ schließlich den Saal nach einem lang anhaltendem Applaus.
[youtube http://www.youtube.com/watch?v=a0UDxIv_6Q8&w=640&h=360] 20140218-224952.jpg
Wieder zurück am Potsdamer Platz. Die Berlinalelouge war überfüllt. Die Preisträger*innen bereits gekürt.
Ich ging zum Sonycenter und dort ins Cinestar. Mein letzter Film der diesjährigen Berlinale war der Film Papilio Buddha von Jayan Cherian.
Shankaran fängt einen Papilio Buddha, einen seltenen Schmetterling, der nur in den indischen Western Ghats beheimatet ist. Es ist ein Moment des perfekten Glücks. Auch sein schwuler Freund und Schmetterlingsforscher aus Amerika, Jack ist außer sich vor Freude. Wieder daheim kommt es zwischen Shankaran und seinem Vater zum Streit. Dieser kann nicht verstehen, warum sich sein Sohn Hoffnungen aus der Begegnung mit Jack macht. Darüber hinaus ist sein Vater Anführer einer Gruppe von Dalits. Dies sind Kastenlose oder auch Unberührbare genannt, die vielerorts in Indien brutal für ihrer Landrechte kämpfen. Obwohl seit der Unabhängigkeit des Landes in der Verfassung geregelt, haben die Dalits vielerorts kaum Rechte. Als ein Aufstand der Dalit-Gruppe um den Vater von der Polizei nieder geschlagen wird, muss Jack das Land verlassen und Shankaran ins Gefängnis. Für die Polizei gelten die Dalits als Terroristen. Shankarans Traum mit Jack auf Schmetterlingsflügeln in die USA zu reisen ist ausgeträumt. Aufgeben will er dennoch nicht. Das vermeintliche Paradies in den Western Ghats wird nun zum Kampfschauplatz zwischen einer Gruppe von Menschen, die um ihre Rechte kämpfen und der Tradition, die diesen Keim erstickt.
Es ist ein bewegender, einfühlsamer Film, der einen, ehrlichen Blick auf die aktuelle politische Situation von kastenlosen Menschen wirft. Die sehr langsamen Kameraführung und die langen Einstellungen unterstrichen noch einmal die inhaltliche Ebene: die Mühlen in Indien mahlen sehr langsam. Das anschließende Gespräch mit dem Regisseur war für viele Anwesende und mich sehr bereichernd. In Indien hat dieser Film bisher keinen Verleih, aufgrund des brisanten Themas gefunden. Ich fände es wichtig, wenn viele Menschen noch die Gelegenheit bekommen, diesen Film zu sehen.
[youtube http://www.youtube.com/watch?v=fdb2UfHRv6Q&w=480&h=360]

Nun ging es für mich nach Haus und ins Bett. Ich bin ein wenig verschnupft. Wahrscheinlich hab ich mich irgendwo in einem dieser vielen, stets sehr gut besuchten, Kinos angesteckt.

Gute Nacht.
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