Vom Einfluss auf die Wirklichkeit.

Berlin, 1°C

Vom Einfluss auf die Wirklichkeit.

Früh aufgestanden und doch zu spät gewesen. Ich war halb acht beim Ticketschalter für Akkreditierte. Vor mir eine Menschenschlange, die sich um drei Ecken schlang. Zum Glück sind Konstantin & seine Begleitung noch eher aufgestanden als ich und standen somit in der Mitte der wartenden Massen & ließen mich freundlicherweise vor. Gemeinsam warteten wir die nächste Stunde, bis sich die Türen öffneten & wir nach und nach hinein gelassen wurden. Ich bekam alle Karten für den morgigen Tag, die ich wollte & musste mich schließlich sogar zwischen einigen Filmen entscheiden. Und ich ergatterte sogar noch eine Karte für Calvary. Somit war mein Montag Vormittag auch geklärt.

Berlinale 2014.

Vor dem Kino traf ich schließlich auch noch meinen kinobegeisterten Kollegen Jens aus Berlin.

In der ersten Einstellung von Calvary (Regie: John Michael McDonagh) sieht man einen Priester im Beichtstuhl. Es ist James Lavelle. Er nimmt einem Mann gerade die Beichte ab. Dieser erzählt dem Priester, dass er als Junge von einem Priester sexuell missbraucht wurde. Jener würde nicht mehr Leben. Aber der Mann wolle sich nun an Lavelle rächen & ihn am Sonntag in einer Woche umbringen. Bis dahin hat der Priester Zeit, sein Leben zu ordnen & Abschied zu nehmen.
Der Fokus öffnet sich, die Landschaft wird groß, grün, schroffe Küste, Surfer in den Wellen & hier nimmt nun die Verstrickung der Ereignisse nimmt ihren Lauf. Wir sind in einem irischen Dorf an der Küste. Dorfbewohner*innen mit ihren unterschiedlichsten Schicksalen werden nacheinander vorgestellt. Da ist der Metzger, dessen Frau eine Affäre mit einem anderen hat, der Polizist, der sich einen Callboy kommen lässt, oder der verschuldete Pubbesitzer. Auch Lavalles Tochter kommt ihn für einige Tage besuchen. Je mehr der Priester versucht, seinen möglichen Mörder ausfindig zu machen & diesen von der Tat abzubringen, desto mehr treten die dunklen Geheimnisse der Dorfbewohnenden zu Tage & immer stärker spürt Lavalle den bislang versteckten Groll dieser.
Mit trocknem Humor & Witz schuf der Regisseur die unterhaltsame Tragikomödie Calvary, nach dem Tagebuch eines Landpfarrers von Robert Bressons.
[youtube http://www.youtube.com/watch?v=80wNc4F-Ndo]

Berlinale-Karten.
Berlinale-Karten.

Im Anschluss besorgte ich ein paar Berlinale-Kinokarten für Babette. Und dann traf ich mich zum Mittagsspaziergang mit Elke & Theo. Auch eine Kleinigkeit in der Sonne ließen wir uns schmecken. 🙂 Theo ließ dabei sehr relaxt sein Fuß auf dem Tisch liegen, während er mit Ferkel herum schäkerte.

Unterwegs mit Theo

Dann noch ein wenig Relaxen & ich stürzte mich wieder in den Film-Jungle. Wieder einmal ins Delphi & sah mir den sehr (irr-)witzigen Film Ich will mich nicht künstlich aufregen über den (Berliner) Kunst- & Kulturbetrieb von Max Linz an.
Alles scheint möglich. Durch die Hauptfigur, der Kurstorin Astra, tauche ich ein in die ganz eigene Welt, mit einer theoretisierten Fremdsprache, der Kulturszene. Nach und nach werden weitere Protagonist*innen vorgestellt. Gemeinsam wollen sie eine Ausstellung „Das Kino! Das Kunst“ auf die Beine stellen. Doch die Ober-Kultur-Dezernentin streicht ihr die Gelder. Doch die elegante Kämpferin Astra lässt auch nicht entmutigen. Ihre Filmmutter Hannelore Hoger legt sogar beim Bundespräsidenten ein gutes Wort für sie ein. Doch Astra arbeitet lieber mit ihrem indischen Freund zusammen. Mit diesem trifft sie im Park schließlich auf Frau Ober-Kultur-Dezernentin, welche ihr ein folgenreiches Angebot unterbreitet.
Es wird aufgedeckt & bloßgestellt, entlarvt & gewitzt hinterfragt. Wo steht die Kunst- & Kulturszene? Wo will sie hin? Für wen arbeitet sie & wer für sie? Was will sie erreichen?
Auch die Ausstattung und Kostüme überzeugten mich. Schöne Muster, gerade Formen, aufeinander abgestimmte Farben.

Recht auf Kotti / Recht auf Berlin / Recht auf die Stadt und Recht auf die Freiheit / (Samet Balkir)

[vimeo 86009803 w=700 h=394]

Berlinale 2014.

Vom Delphi-Palast ging es zurück an den Potsdamer Platz, wo ich mir die Wartezeit bis zu meinem letzten Film heute mit einem Tee in der Berlinale-Lounge verbrachte und Knut Elstermann bei seiner Eröffnung des Night-Talk zusah. Zu beginn interviewte er Saar Klein, der sein Erstlingswerk Things People Do vorstellte. Auch sein Hauptdarsteller war dabei. Knut war ganz begeistert. Naja, vielleicht schaffe ich es ja noch, mir den Film anzusehen.
Später im Kino traf ich nochmal Jens, der auch sehr begeistert von diesem Film sprach.
In dem norwegischen Film Blind von Eskil Vogt lernte ich Ingrid kennen. Sie ist blind und sie lebt mit ihrem Mann Morten zusammen. Während ihr Mann Arbeiten geht, sitzt sie am Fenster und hört Musik. Manchmal versucht sie zu schreiben. Sie geht nicht mehr vor die Tür. Sie hat Angst. In ihrer Vorstellung bleibt ihr Mann manchmal daheim und beobachtet heimlich oder er chattet mit einer Geliebten, während er vorgibt, berufliche Mails zu beantworten, während sie neben ihm im Bett liegt. Ihre Stimme aus dem Off kommentiert die Situationen.
Diese Stimme stellt Einar vor, der eine Vorliebe für Internetpornografie und Frauen mit langen Haaren hat. Er ist aber zu schüchtern, die Frauen um sich herum anzusprechen. Von seinem Fenster beobachtet er Elin in ihrer Wohnung. Er versucht sie kennenzulernen, ist aber zu schüchtern. Sie wiederum ist die meiste allein, da ihr Kind die meiste Zeit bei dem Vater lebt. Irgendwie scheinen die Leben von Einar und Elin mit Ingrids Leben verknüpft zu sein. Sie teilen die gleichen Ängste. Morten chattet mit Elin. Diese wird blind beim gemeinsamen Date. Realität und Vorstellung verschwimmen miteinander. Was ist wirklich, was nur in der Vorstellungskraft? Was sieht man wirklich, was nur in der eigenen Fantasie? Wie stark beeinflusst uns dabei die Sehkraft. Zart, zerbrechlich und zugleich klar und stark. Ein sehr gelungenes Spiel mit dem Sein und Schein, welches mich in die Nacht entlässt. Der Film verschwimmt nun mit meiner Fantasie.
[youtube http://www.youtube.com/watch?v=-3oCPHU6dTg&w=640&h=360]

Berlinale.

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