Reclaim the Streets. | Abdruck der Straße.

Reclaim the streets. Abdruck der Straße.

Reclaim the Streets.

Abdruck der Straße.

Vielleicht liegt es an meinem Abschluss als Mediengestalterin und meinem Studium, vielleicht an meiner freiberuflichen Tätigkeit als Designerin, vielleicht kommt mein Faible für die verschiedensten Drucktechniken auch ganz woanders her.

Fest steht aber, ich liebe es, neue (experimentelle) Drucktechniken zu entdecken und auszuprobieren. Dank Pinterest ist es für mich mittlerweile auch ein Kinderspiel, die neu entdeckte Druck-Ideen zu pinnen und bei Gelegenheit wieder hervor zu kramen.

Neulich stieß ich über drei Ecken auf die fantastische Seite der Raubdruckerin. Natürlich hab ich die Idee sofort auf meiner Pinterest-Pinnwand gepinnt. Aber nicht nur das, ich hab sie auch gleich mit Christian ausprobiert. Wir sind gemeinsam losgezogen und haben ganz schön Druck auf die Straße ausgeübt.

 

Was soll ich dir sagen: es macht irre viel Spaß. … und noch etwas ist seitdem passiert: ich gehe jetzt mit ganz anderen Augen durch die Straßen, denn überall könnte ein neuer, spannender Kanal-Deckel, ein Gitter oder eine Beton-Vertiefung auf ein wenig Farbe und Stoff warten. Ich nehme dadurch den urbanen Raum vollkommen anders wahr und trete ganz neu mit ihm Kontakt. Während des Druckens komme ich mit Menschen in Kontakt und Interaktion – wie bei Street Art häufig der Fall – entsteht.
Allerdings wird bei dieser besonderen Stempeltechnik, oder auch Frottage genannt, nicht etwas in das Stadtbild hinein gebracht, sondern diesem entnommen und fortan per Beutel oder Kleidungsstück durch die Welt getragen.

 

Und wie funktioniert das Ganze nun?

Material und Werkzeug.

  • Textildruckfarbe, z.B. vom Siebdruckversand
  • Taschen oder Turnbeutel aus Baumwolle
  • je nach den gewünschten Farben eine oder mehrere Fellwalze(n) samt Bügel
  • entsprechend viele Farbwannen (und ggf. Bügel für die Walzen)
  • Sprühflasche mit Wasser
  • 1 Pinsel
  • Löffel oder Farbspachtel
  • Etwas Papier, oder noch besser noch eine Küchenrolle
  • Plastiktüte zum Transport der benutzen Materialien

 

Und Los.

Zunächst musst du erst einmal losziehen und eine geeignete Fläche finden, die du abdrucken möchtest. Also die Augen immer schön offen halten und auf den Boden richten.
Hast du eine interessante Kanal-Deckelstrucktur gefunden, kann es auch schon los gehen.

Zunächst vergewisserst du dich, dass dort, wo du drucken willst, nicht gerade reger Straßenverkehr herrscht. Dann reinigst du mit einem Pinsel oder mit den Händen den Gulli-Deckel. Im nächsten Schritt holst du mit dem Löffel etwas Farbe aus dem Farbtopf und gibst sie in die Farbwanne und nimmst die Farbwalze und verteilst damit die Farbe, zunächst in der Wanne, damit sich die Farbwalze schön mit Farbe vollsaugen kann. Sollte die Farbe nicht so schön sämig (wie ein Rührteig beim Kuchen backen) sein, kannst du etwas Wasser hinzu geben.
Nun trägst du sie mit der Farbwalze auf den Kanaldeckel oder eine andere Struktur auf, von der du einen Abdruck machen möchtest. Möchtest du nicht von der ganzen Struktur einen Abdruck machen, trage nur auf die Stellen Farbe auf, die später auf den Beutel sollen. Zu viel Farbe aufgetragen? Kein Problem, du kannst die Stellen mit etwas Papier abdecken.

 

So, nun kommt der spannende Teil. Du legst die Einkaufstasche oder das Stück Stoff, das du bedrucken willst, auf die mit Farbe bestrichene Struktur und drückst ihn überall mit den Händen fest an. Kleiner Hinweis: packe etwas Papier in den Beutel, damit die Farbe nicht durchdruckt.
Dann hebst du den Stoff vorsichtig an und nimmst ihn ab.

 

Das war es im Prinzip schon. Jetzt musst du nur noch warten, bis die Farbe auf dem Stoff getrocknet ist. Dann kannst du ihn bügeln, damit die Farbe beim nächsten Waschen nicht raus geht.

Die überschüssige Farbe aus der Farbwanne kannst du mit dem Löffel wieder zurück in den Farbtopf geben. Damit die Farbe an der Rolle und in der Wanne nicht eintrocknet, packst du sie am besten im Anschluss in die mitgebrachte Plastiktüte.

 

Wenn du einen Abdruck von einem Reifen machen möchtest, fährst du mit einem Auto auf einen glatten Untergrund und trägst etwas Farbe auf den Vorderreifen auf. Dabei beginnst du da, wo der Reifen bei einer Vorwärtsbewegung als nächstes die Erde berühren wird und dann einfach ca. 40 cm nach oben zu den Radläufen die Farbe mit der Farbrolle verstreichen. Den Beutel genau vor den Reifen packen, den Motor starten und ganz langsam drüber rollen. Fertig.

 

Geht das wieder ab?

Falls du jetzt denkst: »Hilfe, geht die Farbe denn später wieder vom Gulli-Deckel ab?« Aber klar, wenn du Textilfarbe auf Wasserbasis und am besten ohne Lösungsmittel benutzt, gibt es da keine Probleme. Entweder, du reinigst den Kanaldeckel direkt nach dem Abdruck indem du mit der Sprühflasche etwas Wasser drauf sprühst und dann mit einem feuchten Lappen und etwas Papier von der Küchenrolle abwischst oder du wartest einfach auf den nächsten Regen.

Aus den Klamotten und Beuteln geht die Farbe auch wieder raus. Aber das willst du sicher nicht. Daher bügelst du sie mindestens 2 Minuten vor dem nächsten Waschgang (unter kreisenden Bewegungen des Bügeleisens) , dann ist die Farbe fixiert und wäscht sich nicht aus.

 

Nun bin ich gespannt:

Was würdest du dir gern mal auf den Beutel oder Shirt drucken?

Du hast Fragen, Anregungen und eigene Gedanken zu diesem Beitrag?

Dann schreib mir davon in den Kommentaren.
Ich bin gespannt!

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3 Comments

  • Hallo

    Ich bin Schülerin der Meisterklasse für Kommunikationsdesign
    und habe ein Street Art Projekt, bei dem es um genau um Street Printing geht. Genau wie du bin ich über die Raubdruckerin gestolpert und
    war sofort fasziniert. 🙂

    Deine Arbeit hat mir gefallen weil du auch weitere Motive hast,
    als Kanaldeckel. (zb Autoreifen) könntest du mir verraten, was du sonst noch so alles druckst? Bin dringend auf der Suche nach geeigneten Motiven.

    Letzte Frage: Hast du auch Erfahrung mit Motive, die du durch Frottage
    auf die Tasche bekommst? (Also ohne dass du Farbe auf die Oberfläche pinselst)

    Kreative Grüße, Julia

    • Liebe Julia,
      vielen Dank für dein Feedback. Es freut mich, dass dir meine Arbeiten gefallen.
      Schau mal hier hab ich ein paar Bilder von bisherigen Projekten gesammelt: https://www.flickr.com/gp/kiraton/Ea995W und https://flic.kr/s/aHskFsaeLa
      Was wir mal im Studium gemacht haben im Tiefdruckkurs war, eine Druckplatte über die Straße oder andere (raue) Untergründe reiben und dadurch eine Druckfläche zu haben. Aber das ist wahrscheinlich nicht wirklich das, nachdem du sucht.
      Vorstellen könnte ich mir aber, dass du auf einer sehr gut geeigneten Oberfläche (also mit tiefen Einkerbungen) einen Stoff legst/spannst und dann mit eher fester Textilfarbe drüber gehst.
      … an weiteren Ideen bin ich gern interessiert. Falls du über etwas stolperst, lass es mich sehr gern wissen.

      Liebe Grüße Kirsten

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